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Wie wartest du?

Samstag, 8. Dezember 2012
33 Minuten

Wie wartest du?

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Gott wollte zu einem Mann nach Hause kommen. In Panik rannte dieser durch sein Haus – Keller, Dachboden, alle Zimmer. "Unmöglich!", schrie er. "In diesem Saustall kann ich keinen Besuch empfangen!" Er riss Fenster auf, rief Freunde zu Hilfe, und gemeinsam begannen sie aufzuräumen. Durch dicke Staubwolken hindurch schleppten sie Gerümpel hinaus, schrubbten Treppen und Fenster. Am Abend war das Haus endlich sauber. Sie deckten den Tisch und warteten. "Jetzt kann er kommen", sagte der Mann. "Wo er nur bleibt..."

Advent ist Wartezeit – aber worauf warten wir eigentlich? Nicht nur auf das Jesuskind in der Krippe, sondern auf Jesus, der ein zweites Mal wiederkommt, diesmal als Richter. Warten kann so unterschiedlich sein: nervig wie an der Bushaltestelle, wenn der Bus nicht kommt. Spannend wie bei Kindern vor der Bescherung. Quälend wie für die 33 Bergleute in Chile, 700 Meter unter der Erde eingeschlossen. Oder sehnsüchtig wie am Flughafen, wenn du nach Jahren im Ausland endlich deine Familie wiedersehen wirst.

Zacharias und Elisabeth kannten das Warten. Beide fromm, beide Gott treu dienend – doch kinderlos. Damals eine mittlere Katastrophe, ein anerkannter Scheidungsgrund. Die Schriftgelehrten zählten kinderlose Paare zu den von Gott Verworfenen. Doch Zacharias gab seinen Priesterdienst nicht auf. Er betete, wartete, diente weiter.

Dann kam dieser außergewöhnliche Tag. Durch Los wurde Zacharias bestimmt, das Räucheropfer darzubringen – eine Chance von vielleicht 1:2000, die jedem Priester nur einmal im Leben zuteil wurde. Im Allerheiligsten erschien ihm ein Engel: "Dein Gebet ist erhört. Dein Sohn wird Johannes heißen und dem Herrn den Weg bereiten." Ausgerechnet jetzt, wo beide hochbetagt waren? Zacharias zweifelte – und verlor daraufhin seine Sprache bis zur Geburt des Kindes. Wieder eine Wartezeit.

Wartezeiten sind schwierige Zeiten. Sie sind Bewährungszeiten. Aber das Tröstliche: Sie sind begrenzte Zeiten. Gott ließ Zacharias nicht ewig warten. Er hatte einen Plan, und keine Minute war umsonst. Johannes sollte der Wegbereiter des Messias werden – Zacharias und Elisabeth mittendrin in Gottes großem Heilsplan.

Nicht Gott soll unsere Wünsche befriedigen, sondern unsere Wünsche sollen seinem großen Ziel dienen. Wir haben keinen Gott, der aus der Ferne kluge Ratschläge gibt. Wir haben einen Gott, der direkt in unser Leben eingreifen kann – genauso real wie bei Zacharias damals. Die Frage bleibt: Wie wartest du in diesem Advent?

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