Wer ist unser Nächster - Gott braucht Menschen, die sich gebrauchen lassen!
Jesus erzählt die Geschichte vom barmherzigen Samariter nicht einfach nur, um ein nettes Beispiel zu geben. Ein Gesetzesgelehrter – ein frommer Jurist seiner Zeit – kommt zu ihm mit einer Frage, die wir alle kennen: "Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?" Die Antwort kennt er selbst: Gott lieben von ganzem Herzen und den Nächsten wie sich selbst. Doch Jesus antwortet ihm nur mit zwei Worten: "Tue dies." Nicht diskutieren, nicht philosophieren – handeln.
Die Geschichte vom Mann auf der gefährlichen Strecke zwischen Jerusalem und Jericho – 27 Kilometer durch karges Bergland, berüchtigt für Wegelagerer – zeigt uns vier Personen, in denen wir uns wiederfinden können. Da ist der Überfallene, hilflos am Boden. Das könntest du sein – überfallen von Krankheit, Sucht, Versuchungen oder Niederlagen. Dann der Priester und der Levit, beide Tempeldiener, die vorbeigehen. Sie hatten ihre Gründe: Angst vor Verunreinigung, Zeitdruck, vielleicht sogar berechtigte Sorge um die eigene Sicherheit. Und schließlich der Samariter – ausgerechnet jemand, den die Juden verachteten, der hilft ohne zu zögern, verbindet, versorgt und zahlt für die langfristige Pflege.
Wie oft verhalten wir uns wie der Gesetzesgelehrte? Wir wissen Bescheid, diskutieren über Hilfsmaßnahmen, beten für Situationen – aber packen nicht an. Gott sagte zu Mose am Schilfmeer: "Was schreist du zu mir? Geh!" Vielleicht wartest du auf Zeichen und Wunder, während Gott längst möchte, dass du loslegst. Die Straßenseite zu wechseln ist heute einfach: Der könnte eine Krankheit haben, es passt nicht in meinen Terminplan, diese Organisation vertritt nicht ganz meine Auffassung.
Doch in Lukas 6 steht es erschreckend klar: "Wie ihr wollt, dass euch die Leute behandeln sollen, so behandelt auch ihr sie." Nicht nur die lieben, die uns lieben. Nicht nur denen helfen, die uns sympathisch sind. Sondern Feinde lieben, Gutes tun ohne Gegenleistung zu erwarten. Diese Nächstenliebe ist keine Option – sie ist Voraussetzung für das ewige Leben. Der Überfallene liegt oft genau dann auf deinem Weg, wenn du etwas anderes vorhast. Gott zwingt uns zur Improvisation, seine Aufgaben haben immer etwas Überraschendes. Die Frage ist nicht, wer dein Nächster ist, sondern wem du zum Nächsten wirst.
