GGPF Logo

Wenn ich schwach bin, bin ich stark!

Sonntag, 11. Juni 2017
43 Minuten

Wenn ich schwach bin, bin ich stark!

0:0042:48

Paulus stand vor einer Gemeinde in Korinth, die beeindruckt war von Visionen, Offenbarungen und geistlicher Stärke. Manche dort brüsteten sich mit ihren Erlebnissen mit Gott und warfen Paulus vor, er sei in Schwachheit zu ihnen gekommen. Und tatsächlich bestätigt Paulus das selbst in 1. Korinther 2,3: "Ich war in Schwachheit und mit viel Furcht und Zittern bei euch." Doch genau darin liegt das Geheimnis seiner Kraft.

In 2. Korinther 12 berichtet Paulus von einer außergewöhnlichen Begegnung – er wurde in den dritten Himmel entrückt und hörte unaussprechliche Worte. Doch beachte, wie er davon spricht: in der dritten Person, als würde er von jemand anderem reden. Er stellt nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern das Wirken Gottes. Diese Zurückhaltung ist kein Zufall. Wenn Gott uns wirklich begegnet, führt das nicht zu lautem Eigenlob, sondern zu ehrfurchtsvoller Zurückhaltung.

Wir leben in einer Gesellschaft, die Schwäche als Makel betrachtet. Die Werbung fragt: "Sind sie zu stark, bist du zu schwach?" Leistung wird großgeschrieben, Schwäche versteckt. Doch Paulus dreht diese Logik um. In 2. Korinther 11 zählt er auf, was er alles durchgemacht hat – Schläge, Gefängnis, Gefahren, Hunger, Nachtwachen. Und dann sagt er: "Wenn ich mich rühmen soll, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen."

Das widerspricht allem, was du täglich hörst. Aber genau hier liegt göttliche Weisheit: Starke Menschen betonen nicht sich selbst, sondern Christus. Denk an Gideon, der mit seinem Heer gegen die Midianiter ziehen sollte. Gott sagte: "Das Volk ist zu zahlreich. Israel könnte sich sonst gegen mich rühmen und sagen: Meine Hand hat mich gerettet." Gott reduzierte das Heer von Tausenden auf 300 Mann – damit niemand sagen konnte, der Sieg sei menschliche Leistung gewesen.

Paulus berichtet dann von einem "Pfahl im Fleisch", den Gott ihm gab, damit er sich nicht überhebt. Dreimal bat er Gott, diesen zu entfernen. Doch Gottes Antwort war: "Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen." Hier lernst du eine unbezahlbare Lektion: Selbst nach tiefsten geistlichen Erfahrungen bleibt unsere menschliche Natur anfällig für Stolz. Gott lässt manchmal Schwachheiten in deinem Leben zu, nicht um dich zu quälen, sondern um dich demütig und abhängig von ihm zu halten.

Wahre Stärke zeigt sich nicht in perfekter Leistung, sondern in der Bereitschaft, deine Schwachheit zuzugeben. Menschen, die sagen können "Es tut mir leid" oder "Ich schaffe das nicht allein" – das sind die wirklich Starken. Denn sie machen Gemeinschaft möglich. Wenn du nur auf deine Erfolge fixiert bist, wirst du einsam. Aber wenn du deine Schwächen teilst, öffnest du Raum für echte Liebe und gegenseitige Ergänzung.

Die Kraft, von der Apostelgeschichte 1,8 spricht – das griechische Wort "Dynamis", von dem unser Wort Dynamit kommt – ist die Vollmacht des Könnens, die Gott dir gibt. Nicht deine eigene Stärke, sondern seine Kraft in deiner Schwachheit. Wenn du schwach bist, bist du stark – weil dann Christus durch dich wirken kann.

Teilen