Unsere Worte haben Macht über Leben und Tod – das sagt die Bibel in Sprüche 18,21. Und das ist keine Übertreibung. Worte können eine ganze Stadt niederreißen oder wie ein Baum des Lebens sein. Sie können töten oder heilen. Ich habe das selbst erlebt: Vor meiner Bekehrung habe ich einen Mitschüler so fertiggemacht, dass er Selbstmordgedanken hatte. Später durfte ich denselben Menschen zum Glauben an Jesus führen. Worte über Leben und Tod.
Römer 3 sagt über uns Menschen: "Gift ist unter ihrer Zunge, auf ihren Lippen." Jeder von uns wurde schon tief durch Worte verletzt – aber jeder hat auch schon andere durch Worte verletzt. Das beweist, was Jakobus meint, wenn er sagt, die Zunge sei ein Feuer, der Inbegriff der Ungerechtigkeit, entflammt von der Hölle selbst. Wie ein kleiner Funke einen ganzen Wald in Brand setzen kann, so können unsere Worte alles zerstören.
Wir tragen alle ein unsichtbares "Rabattmarkenheftchen" mit uns herum. Wir sammeln Verletzungen, notieren innerlich jede Verfehlung des anderen – besonders in der Ehe. Und wenn das Heft voll ist, werfen wir alles auf einmal dem anderen vor die Füße. Das endet nie gut. Denn wenn Menschen ohne Liebe kritisiert werden, verteidigen sie sich sofort. Sie werden blind für die Wahrheit.
Das Problem ist: Wir neigen entweder zur einen oder zur anderen Seite. Manche sind wie Jeremia – harmoniebedürftig, zurückhaltend, immer schnell Frieden machend. Andere sind wie Elia – wahrheitsliebend, konfrontativ, manchmal sogar angriffslustig. Beim Herrn Jesus kam beides zusammen: Gnade UND Wahrheit. Johannes 1,17 sagt es so: "Die Gnade und Wahrheit wurde durch Jesus Christus."
Wenn nur Wahrheit ohne Gnade da ist, entsteht Trennung und Schaden – wie bei Rehabeam, der sagte: "Mein kleiner Finger ist dicker als die Hüfte meines Vaters." Das Volk spaltete sich. Wenn nur Gnade ohne Wahrheit da ist, entsteht ebenfalls Schaden – wie bei Eli, der seine Söhne nicht zurechtwies, obwohl sie sich am Heiligtum vergingen. Beide starben.
Du kannst einem Menschen alles sagen – wirklich alles – wenn er spürt, dass du ihn liebst. Menschen haben einen feinen Sensor dafür, ob wir zu unserer eigenen Ehre reden oder ob wir es gut mit ihnen meinen. Erst Gnade und Wahrheit zusammen öffnen das Herz und geben dir echte Autorität.
Am deutlichsten wird das am Kreuz. In der extremsten Situation seines Lebens offenbarte Jesus sein wahres Herz: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" – Liebe zu Gott. "Mutter, siehe dein Sohn" – Liebe zum Nächsten. "Vater, vergib ihnen" – Liebe zum Feind. Und zu dem Verbrecher neben ihm, der nichts mehr gutmachen konnte: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." Pure, blanke Gnade.
Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Was sagen deine Worte über dein Herz?
