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Verloren, gesucht und gefunden

Sonntag, 16. Juli 2017
46 Minuten

Verloren, gesucht und gefunden

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Jesus erzählt von einer Frau, die zehn Silbermünzen besitzt – zehn Tageseinnahmen, ihr kleiner Schatz. Doch eine dieser Münzen gleitet ihr aus der Hand, rollt in den Staub, verschwindet in einer dunklen Ecke. Was tut sie? Sie zündet eine Lampe an, nimmt den Besen und kehrt das ganze Haus, bis sie die verlorene Münze findet. Und als sie sie endlich in der Hand hält, ruft sie ihre Freundinnen zusammen: "Freut euch mit mir – ich habe gefunden, was verloren war!"

Für uns heute mag ein Groschen nichts bedeuten. Kinder spielen auf dem Schulhof Fußball mit Münzen. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, wo man einfach den Staubsauger nimmt und alles verschwindet – egal ob wertvoll oder nicht. Doch diese Frau in Lukas 15 handelt völlig anders. Sie gibt nicht auf, sie sucht nicht halbherzig, sie investiert Zeit und Mühe, bis das Verlorene gefunden ist.

Dieses Gleichnis spricht nicht nur von einer Münze. Es geht um Menschen – um deine Kinder vielleicht, die dir durch die Finger gleiten. Du merkst, wie dein Sohn oder deine Tochter auf eine schiefe Bahn gerät, falsche Freunde findet, sich vom Glauben abwendet. Du stehst da, hilflos, und kannst nichts tun. Dieser Schmerz, diese Ohnmacht – viele Eltern kennen das. Die Frau im Gleichnis ist ein Bild für die Gemeinde, aber auch für dich als Mutter oder Vater. Das Licht, das sie anzündet, ist das Wort Gottes. Das ist das Erste und Wichtigste, was du deinen Kindern mitgeben kannst. Denk an die Mutter von Mose, die nur wenige Jahre hatte, um ihrem Sohn von Gott zu erzählen, bevor er im Palast des Pharao aufwuchs. Doch was sie ihm in dieser kurzen Zeit ins Herz gepflanzt hatte, blieb sein Leben lang.

Der Besen steht für die Bereitschaft, auch unangenehme Ecken auszukehren – vielleicht eigene Fehler einzugestehen. Manchmal müssen wir uns zu unseren erwachsenen Kindern setzen und sagen: "Ich habe Fehler gemacht. Ich hatte zu wenig Zeit für dich. Ich habe dich nicht richtig verstanden." Das gewinnt Herzen zurück. Nicht alles lässt sich rückgängig machen, aber du kannst das Herz deines Kindes zurückgewinnen.

Was diese Geschichte aber vor allem zeigt: Die Frau sucht nicht nach Fehlern oder Schuldigen. Sie sucht das Verlorene. Zu oft verwenden wir Christen unsere Energie darauf, Fehler bei anderen zu finden, statt das Verlorene zu suchen. Zu oft richten wir, statt zu suchen. Zu oft reden wir schlecht über die, die vom Glauben abgefallen sind, statt alles daran zu setzen, sie zurückzuholen.

Und dann die Freude! Als die Frau die Münze findet, feiert sie. Sie ruft ihre Freundinnen zusammen und teilt ihre Freude. Diese Freude aneinander haben wir oft verloren. Wir können uns nicht mehr richtig miteinander freuen. Doch genau das sollen wir: uns freuen über jeden, der gefunden wird, aber auch über die, die schon da sind – die neun anderen Münzen, die 99 Schafe, die nicht verloren gingen.

Deine Kraft liegt in deiner Freude. Lass sie dir nicht rauben. Suche das Verlorene mit allem, was du hast. Und wenn du es findest – feiere!

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