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Vergebe, so wird dir vergeben

Samstag, 22. November 2014
32 Minuten

Vergebe, so wird dir vergeben

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In Matthäus 18,21-35 stellt Petrus Jesus eine sehr menschliche Frage: "Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben? Genügt es siebenmal?" Die Antwort Jesu ist radikal: "Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal." Um diese unfassbare Dimension von Vergebung zu verdeutlichen, erzählt Jesus ein Gleichnis, das uns bis ins Mark erschüttern sollte.

Ein König rechnet mit seinen Dienern ab und entdeckt, dass einer seiner Minister ihm eine astronomische Summe schuldet – etwa 10.000 Talente. Um das einzuordnen: Die gesamten Jahressteuern mehrerer Provinzen betrugen damals etwa 800 Talente. Diese Schuld war schlichtweg unbezahlbar, eine hoffnungslose Situation. Nach damaligem Recht hätte der König den Mann samt Familie und Besitz verkaufen können. Doch als der Knecht verzweifelt um Aufschub bittet, geschieht etwas Unerwartetes: Der König erlässt ihm die gesamte Schuld. Komplett. Bedingungslos.

Doch dann folgt der schockierende Wendepunkt: Derselbe Mann trifft einen Mitknecht, der ihm 100 Silbergroschen schuldet – eine winzige Summe im Vergleich. Obwohl dieser ihn mit denselben Worten anfleht, zeigt er keinerlei Erbarmen und wirft ihn ins Gefängnis. Als der König davon erfährt, wird er zornig und überantwortet den unbarmherzigen Knecht den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte.

Jesus schließt mit den ernsten Worten: "So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder." Diese Aussage wird im Vaterunser bestätigt: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." In Matthäus 6,14-15 macht Jesus es noch deutlicher: Wenn du den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergibst, wird dir dein himmlischer Vater auch nicht vergeben.

Wie gnädig bist du eigentlich mit denen, die dir etwas schuldig geblieben sind? Vielleicht sind es die Eltern, vielleicht die Kinder, vielleicht Geschwister in der Gemeinde. Oft vergessen wir die unermessliche Größe unserer eigenen Sündenschuld vor Gott und überbewerten das verhältnismäßig kleine Unrecht, das uns getan wurde. Wenn wir unversöhnlich sind, trifft uns die Strafe selbst – wir werden innerlich zerfressen, gefangen in schlechten Gedanken.

Das Abendmahl lebt von beiden Dimensionen: Es führt uns das Sterben Jesu und die damit verbundene Vergebung vor Augen, und es wird in Gemeinschaft gefeiert. Indem du dich an Jesus klammerst, lässt du den Nächsten los. Du hältst die Schuld nicht mehr fest. Die Vergebung, die du empfangen hast, darfst du weitergeben.

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