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Umgang mit Meinungsverschiedenheiten

Sonntag, 21. August 2016
33 Minuten

Umgang mit Meinungsverschiedenheiten

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Warum haben wir Menschen so unterschiedliche Meinungen – selbst über Dinge, die in der Bibel stehen? Diese Frage beschäftigt uns nicht nur zwischen Gemeinden, sondern oft schon in unseren eigenen Familien. Zehn Christen haben manchmal zwanzig Meinungen, sagt man. Und tatsächlich fällt es uns schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Doch verschiedene Meinungen sind nicht das Problem – entscheidend ist, wie wir damit umgehen.

Die Bibel ist in vielen Bereichen glasklar: Mord, Ehebruch, Verleumdung – da gibt es keine Grauzonen. Aber es gibt Bereiche, über die die Schrift nicht ausdrücklich spricht: Alkohol, bestimmte Musikrichtungen, kulturelle Gewohnheiten. Schon die erste Gemeinde rang mit solchen Fragen. In Apostelgeschichte 15 diskutierten die Apostel über die Beschneidung. Judenchristen hatten Bedenken, überhaupt mit Heidenchristen an einem Tisch zu sitzen. Die Frage war immer: Wozu bin ich frei? Und wozu ist der andere vielleicht nicht frei?

Jesus sagt in Johannes 8,31-32: "Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen." Christliche Freiheit ist keine Freikarte für Sünde. Petrus betont in 1. Petrus 2,16, dass wir unsere Freiheit nicht als Deckmantel für Bosheit nutzen sollen, sondern uns als Knechte Gottes sehen.

In 1. Korinther 8 behandelt Paulus das Thema Götzenopferfleisch – eine echte Grauzone der damaligen Zeit. Fleisch, das Götzen geopfert wurde, landete auf den Märkten. Für manche Christen war das ein absolutes No-Go, für andere kein Problem. Paulus beginnt mit einer provokanten Aussage: "Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut." Hier liegt der Schlüssel: Erkenntnis ohne Liebe ist nichts wert.

Es gab Christen in Korinth, die stolz waren auf ihr Wissen. Sie wussten, dass Götzen nichts sind und das Fleisch ganz normale Nahrung ist. Ihre Erkenntnis war richtig – aber sie führte zu Arroganz. Sie waren nicht sensibel genug für das, was ihre Freiheit bei anderen auslöste. Paulus fordert sie heraus: "Wenn aber jemand meint, etwas zu wissen, der hat noch nichts so erkannt, wie man erkennen soll." Wer glaubt, am Ende der Weisheit angelangt zu sein, steht erst am Anfang.

Die entscheidende Frage ist nicht, wer die richtige Erkenntnis hat, sondern: Wer liebt Gott? In Vers 3 heißt es: "Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt." Deine Liebe zu Gott zeigt sich darin, wie du mit deinem Nächsten umgehst. Johannes schreibt: "Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht." Wie du deine Mitmenschen liebst, ist ein Gradmesser dafür, wie sehr du Jesus liebst.

Paulus macht klar: Es gibt nur einen Gott, bei dem alle Antworten zu finden sind. Aber er fordert die "Freien" auf, Rücksicht zu nehmen auf die "Schwachen". "Habt aber Acht, dass diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß wird." Rücksicht nehmen bedeutet, das eigene Ich zurückzustellen. Wenn du weißt, dass etwas für deinen Bruder zur Sünde wird, sei bereit zu verzichten.

Jesus betete in Johannes 17,15: "Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt herauszunehmen, aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu bewahren." Wir sollen uns nicht von allem abschotten, aber auch nicht einfach wie die Welt sein. Das ist die Kunst: In der Welt leben, aber nicht von ihr geprägt werden. Jesus ist die Antwort auf alle Fragen – dazu müssen wir sein Wort lesen und erforschen. Und vor allem: Die Liebe erbaut. Sei bereit, dein Ich zurückzustellen, dem anderen zu vergeben und die Hand zu reichen. Darin liegt Segen.

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