Synergien unterschiedlicher Personen machen die Gemeinde stark
Paulus schreibt in Römer 14: "Den Schwachen im Glauben nehmt an und streitet nicht über Meinungen." Das klingt erstaunlich, denn niemand im Neuen Testament hat mehr gestritten als Paulus selbst. Wie passt das zusammen?
Beim Gärtnern lernen wir heute, dass bestimmte Pflanzen sich gegenseitig fördern, wenn man sie nebeneinander setzt. Zwiebeln und Möhren, Tomaten und Petersilie, Dill und Gurken – oder auch Erdbeeren und Knoblauch. Alle diese Kombinationen funktionieren, so unterschiedlich sie auch erscheinen. Genauso ist es in der Gemeinde: Wir sind wie ein buntes Gemüsebeet, in dem Gott ganz verschiedene Menschen zusammengepflanzt hat.
Du musst lernen, in konzentrischen Kreisen zu denken. Es gibt einen inneren Kreis – die Fundamente des christlichen Glaubens. Johannes 14,6: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Darüber wird nicht diskutiert. Dann gibt es auslegungsbedingte Fragen: die Rolle der Frau im Gottesdienst, Kopfbedeckung, verschiedene Bibelauslegungen. Hier hat die Gemeindeleitung eine wichtige Rolle, einen Weg vorzugeben. Und schließlich gibt es Gepflogenheiten: Gottesdienstzeiten, Musikstil, praktische Abläufe.
Wenn Paulus sagt "streitet nicht über Meinungen", meint er nicht die Fundamente. Er spricht von den äußeren Kreisen. In der römischen Gemeinde ging es um Essgewohnheiten – der eine isst Fleisch, der andere ist Vegetarier. Beide wollen Gott damit dienen, beide danken ihm, nur auf unterschiedliche Weise.
Der "Schwache" ist nicht der, der nicht will, sondern der, der nicht kann. Sein Gewissen erlaubt es ihm nicht. Wie jemand, der über 180 km/h nicht fahren kann, weil die Angst zu groß ist. Dann fahr eben 170. Nimm den an, der nicht kann. Verachte ihn nicht. Richte nicht über ihn. Denn er ist Eigentum Gottes.
Paulus hat ein erstaunliches Gottvertrauen: "Gott wird ihn wohl aufrichten." In Philipper 3,15 schreibt er: "Solltet ihr in einem Stück anders denken, so wird euch Gott auch das offenbaren." Du musst nicht Gottes Arbeit übernehmen. Gott kann den anderen halten, korrigieren, weiterführen – auch ohne dich.
Die Unterschiedlichkeit in der Gemeinde ist kein Problem, sondern ein Geschenk. Der Bruder oder die Schwester, die so ganz anders denken als du, bringen etwas in die Gemeinde hinein, das du selbst nicht liefern könntest. Synergien unterschiedlicher Personen machen die Gemeinde stark – wenn wir lernen, einander anzunehmen, mit Gott zu rechnen und die Kreise nicht zu vermischen.
