Der Atlantik an der Südwestspitze Europas zeigt seine ganze Kraft – ungestüme Wellen, die dich von den Füßen reißen können, eine Strömung, die dich ins Meer zieht. Genau so fühlt sich manchmal die Adventszeit an: eine Zeit, die eigentlich still und besinnlich sein sollte, wird zu einem tosenden Meer aus Aufgaben, Terminen und Gedanken. Alle Aufträge müssen bis zum 20. fertig sein, Geschenke wollen besorgt werden, Planungen für Heiligabend, den 25., den 26., Silvester – eine unglaubliche Unruhe entsteht in unserem Herzen.
Dabei hat Gott uns den Sonntag geschenkt, damit wir zur Ruhe kommen. Doch selbst im Gottesdienst rasen tausende Gedanken durch unseren Kopf – Gedanken, die die ganze Woche mit uns gegangen sind und plötzlich hochkommen, wenn wir eigentlich still werden sollten. Wenn schon Gott nach sechs Tagen Arbeit einen Ruhetag befahl, wie viel mehr brauchen wir diese Stille?
Jesus macht es uns vor: Er zog sich auf Berge zurück, blieb ganze Nächte im Gebet, suchte bewusst einsame Orte. Der Prophet Elia begegnete Gott nicht im starken Wind, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer – sondern in einem stillen, sanften Säuseln. In Psalm 46,11 steht: "Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin." Nur in der Stille können wir Gottes Stimme hören, nur dort können wir das Wertvolle vom Wertlosen trennen.
David ermutigt sich selbst in Psalm 62: "Sei nur stille zu Gott, meine Seele, denn er ist meine Hoffnung." Acht Mal in zwei Versen bezieht er Gottes Zusagen persönlich auf sich: meine Hoffnung, mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz. Wie ein Wasser, das sich beruhigt, wenn du aufhörst zu strampeln, so wird auch dein inneres Meer still, wenn du innehältst.
Beten bedeutet nicht nur reden, sondern vor allem hören – still werden und warten, bis du Gott hörst. Es braucht eine bewusste Entscheidung, einen festen Ort und die Gewohnheit, zur Ruhe zu kommen. Nur so wirst du dich wirklich vorbereiten können auf den, der kommt: Jesus Christus.
