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So klein und doch so groß

Sonntag, 12. Januar 2020
40 Minuten

So klein und doch so groß

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Jesus wurde geboren wie jeder andere Mensch auch – ohne Vermögen, ohne Einfluss, ohne Macht. Er war Junge, Sohn, Schüler, Arbeiter, Bruder, Freund und Lehrer. Er ging zu Fuß von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt, sein Wirkungsfeld nicht größer als Thüringen. Er starb Mitte dreißig, ohne Kinder, ohne Erbe – nur einfache Freunde und Nachfolger. Keine Werbekampagnen, kein Internet, keine Zeitungen. Nur Menschen, die weitersagten, was er sagte, die lehrten, was er lehrte. Und doch: Seine Botschaft wächst bis heute. Er ist die zentrale Figur des meistverbreiteten Buches der Welt. War er wirklich nur ein Mensch – oder war er mehr?

Die Krippe und das Kreuz gehören zusammen. Sie sind aus demselben Holz. Das Kind in der Krippe ist am Ende der Mann am Kreuz, der für uns seine Arme ausbreitet. So tief beugt sich der lebendige Gott zu uns herunter. Jesus, der sich klein gemacht hat, wird von Gott groß gemacht – das ist der Kern dieser Botschaft.

In Philipper 2,1-11 zeigt Paulus vier Kennzeichen echter christlicher Gemeinschaft: Ermutigung in Christus, Zuspruch der Liebe, Gemeinschaft im Heiligen Geist sowie Herzlichkeit und Erbarmen. Doch dann nennt er zwei Gefahren, die diese Einheit zerstören: Selbstsucht und Ehrgeiz. Beides macht sich selbst groß, während Christus genau das Gegenteil tat.

Der Christus-Hymnus in Philipper 2,6-11 zeigt die radikale Selbsterniedrigung Jesu. Er, der Gott in allem gleich war, hielt seine Gottheit nicht krampfhaft fest wie einen Raub. Er verzichtete auf alle Vorrechte, stellte sich auf die Stufe eines Sklaven, wurde Mensch wie wir. Und mehr noch: Er erniedrigte sich bis zum Tod am Kreuz – der absolut niedrigsten, demütigendsten Hinrichtungsart der damaligen Zeit. Am Kreuz rief er: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Gott musste sich von der Sünde trennen und Jesus seinem Schicksal überlassen.

Doch genau deshalb hat Gott ihn über alles erhöht und ihm den Namen gegeben, der über allen Namen steht. Aus klein wird groß. Erniedrigung schlägt um in Erhöhung. Alle Knie werden sich beugen – im Himmel, auf Erden und unter der Erde. Alle werden anerkennen: Jesus Christus ist der Herr.

Was bedeutet das für dich? Echte Größe zeigt sich nicht darin, nach oben zu streben, sondern in der Bereitschaft, sich klein zu machen. Das Evangelium stellt die Welt auf den Kopf. Es befreit von der selbstbezogenen Ich-Sucht. Der größte Reichtum ist, anderen mit Achtung und Wertschätzung zu begegnen. Gott belohnt Demut – er hat es an Christus bewiesen. Und wenn du Jesus annimmst, hast du das Anrecht, Kind Gottes zu heißen. Das ist zugleich Privileg und Verpflichtung.

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