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Selig sind, die geistlich arm sind

Samstag, 14. Januar 2012
22 Minuten

Selig sind, die geistlich arm sind

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Jesus stellt mit der ersten Seligpreisung die Welt auf den Kopf: "Selig sind, die geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich" (Matthäus 5,3). In einer Zeit, in der Durchsetzungsvermögen, Schlagfertigkeit und Ellenbogenmentalität gefragt sind, klingt diese Botschaft geradezu absurd. Wer möchte schon gerne arm sein?

Das griechische Wort, das Luther mit "geistlich arm" übersetzt, bedeutet eigentlich "Bettler" – jemand, der absolut nichts hat. Denk an Bartimäus, den blinden Bettler: Er war völlig angewiesen auf die Gnade und das Wohlwollen anderer Menschen, musste täglich um sein Überleben kämpfen, hatte keinen Kühlschrank, keine Wohnung, keine Sicherheit.

Was zeichnet einen Bettler aus? Er hat nichts – während wir im Überfluss leben. Er kommt mit einem brennenden Verlangen, etwas zu bekommen – während wir oft übersättigt sind vom geistlichen "All-inclusive-Buffet". Er ist immer zuerst da und wartet begierig – während wir manchmal nachlässig werden. Er hat Hunger – während wir anfangen zu kritisieren, ob die Predigt gut genug war, ob die Worte richtig gewählt wurden. Ein Satter kann einen Hungrigen nie verstehen.

Der entscheidende Punkt: Ein Bettler ist sich seiner Abhängigkeit bewusst. Doch genau das wollen wir nicht sein – abhängig. Wir leben in einer Welt, die Unabhängigkeit als höchstes Gut feiert. Selbst König David, einer der mächtigsten Herrscher Israels, verstand seine völlige Abhängigkeit von Gott: "Tag und Nacht denke ich nach über deine Gesetze, über die Wunder in deinem Gesetz."

Geistlich arm zu sein bedeutet nicht, dumm oder zurückgeblieben zu sein. Es bedeutet zu begreifen, dass du – egal ob Bankdirektor oder einfacher Arbeiter – vollkommen abhängig bist von Gottes Gnade, Barmherzigkeit und Liebe. Es bedeutet zu verstehen, dass du nichts hast und nichts bist ohne Ihn.

Die gute Nachricht: Wenn du erkennst, dass du auf Gottes Gnade angewiesen bist und seine Vergebung annimmst, dann gehört dir das Himmelreich. Schau nicht auf Menschen, die meinen, über deine Seligkeit entscheiden zu können. Schau auf Jesus – er allein gibt die Almosen, die wirklich zählen.

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