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Selig sind die Barmherzigen

Samstag, 9. Juni 2012
35 Minuten

Selig sind die Barmherzigen

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Barmherzigkeit ist keine menschliche Eigenschaft – sie ist eine Gabe Gottes. Als Gott seinem Volk am Sinai begegnete, offenbarte er sich als "barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue" (2. Mose 34,6). Und genau diese Eigenschaft fordert Jesus in der fünften Seligpreisung von uns: "Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen" (Matthäus 5,7).

Doch was bedeutet Barmherzigkeit eigentlich? Anders als Gnade, die unverdientes Erbarmen nach einer Schuld ist, bedeutet Barmherzigkeit, dem anderen Gutes zu tun, ohne zu richten oder zu verurteilen. Es ist die helfende Zuwendung Gottes, die sich in unserem Handeln widerspiegeln soll.

Die Geschichte vom barmherzigen Samariter in Lukas 10 zeigt uns radikal, was Jesus meint. Ein Schriftgelehrter fragt Jesus nach dem ewigen Leben, und Jesus antwortet mit einer Geschichte, die damals wie eine Bombe einschlug: Ein Priester und ein Levit – beide von Amts wegen zur Hilfe verpflichtet – gehen an dem verwundeten Mann vorbei. Ausgerechnet ein Samariter, mit dem sich Juden nicht einmal an einen Tisch setzen würden, hilft dem Notleidenden.

Jesus setzt damit völlig neue Maßstäbe. Barmherzigkeit beschränkt sich nicht auf Familie und Freunde. Sie gilt allen Menschen, die Gott geschaffen hat – unabhängig von Nationalität oder Glaubensbekenntnis.

Auch die Geschichte vom verlorenen Sohn zeigt die Tiefe göttlicher Barmherzigkeit. Der Vater hätte allen Grund gehabt, seinen Sohn abzuweisen, der sein Erbe verprasst hatte. Stattdessen wartet er täglich auf seine Rückkehr und empfängt ihn mit offenen Armen. Genau so behandelt Gott uns – als wir noch weit weg von ihm waren, liebte er uns bereits.

Heute leben wir in einer Welt, die Barmherzigkeit oft als Schwäche auslegt. Doch Jesus ruft uns auf, anders zu sein. Barmherzigkeit bedeutet nicht nur finanzielle Hilfe oder physische Unterstützung. Sie reicht viel tiefer – bis zur Seele des Menschen. Freuen dürfen sich alle, die Kranke besuchen, Trauernde trösten, Sündern helfen, den Weg zurückzufinden, und die von Herzen vergeben können.

Wenn du Barmherzigkeit übst, wird auch Gott dir barmherzig sein. Das ist seine Verheißung.

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