Im Buch Ruth begegnet uns eine der bemerkenswertesten Frauen der Bibel – eine Heidin aus Moab, die den Gott Israels wählt und damit ihr ganzes Leben verändert. Ruth stammte aus einem Land voller Götzendienst und heiratete in eine israelitische Familie, die wegen einer Hungersnot ihre Heimat Bethlehem verlassen hatte. Doch das Schicksal schlug hart zu: Ihr Mann starb, ebenso ihr Schwiegervater und ihr Schwager. Drei verwitwete Frauen standen plötzlich ohne jede soziale Absicherung da.
Als ihre Schwiegermutter Naomi beschließt, nach Israel zurückzukehren, steht Ruth vor einer Entscheidung. Naomi fordert sie sogar zweimal auf, in Moab zu bleiben und sich dort ein neues Leben aufzubauen. Doch Ruth spricht jene unvergesslichen Worte aus Ruth 1,16-17: "Wo du hingehst, da will auch ich hingehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott." Mitten in einer Lebenskrise, ohne erkennbare Zukunftsperspektive, bekennt sich diese Moabiterin zum Gott Israels.
Was dann geschieht, zeigt Gottes souveräne Führung auf beeindruckende Weise. Die beiden Frauen kommen ausgerechnet zur Erntezeit in Bethlehem an. Ruth geht auf ein Feld, um nach dem Gesetz Moses Ähren aufzulesen – eine soziale Fürsorge für Witwen und Waisen. Und "zufällig" ist es das Feld von Boas, einem wohlhabenden Verwandten. "Zufällig" kommt Boas genau an diesem Tag auf sein Feld und bemerkt Ruth. Er begegnet ihr mit außergewöhnlicher Gnade, schützt sie und versorgt sie reichlich.
Boas war ein Mann von Charakter – gottesfürchtig, entschlossen, großzügig. Er war keiner, der Dinge auf die lange Bank schob. Als Ruth ihm durch Naomis klugen Plan zu verstehen gibt, dass sie bereit wäre, ihn zu heiraten, handelt er sofort. Am nächsten Morgen geht er zum Stadttor und regelt die rechtlichen Angelegenheiten. Denn nach israelitischem Recht gab es einen näheren Verwandten mit Vorkaufsrecht. Doch dieser "Herr Soundso" – die Bibel nennt nicht einmal seinen Namen – zieht sich zurück, als er erfährt, dass zum Landkauf auch die Heirat mit Ruth gehört.
Boas übernimmt die Verantwortung. Er heiratet Ruth, erlöst sie aus ihrer hoffnungslosen Situation und schenkt ihr eine Zukunft. Aus dieser Verbindung geht später König David hervor – und damit steht Ruth im Stammbaum Jesu.
In dieser Geschichte siehst du, wie Gott führt, auch wenn du es nicht sofort erkennst. Ruth wandte sich von ihren Götzen ab und dem lebendigen Gott zu. Sie lebte hingegeben, gehorsam und opferbereit. Boas handelte mit Gnade, weit über das Notwendige hinaus. Beide waren Menschen, die nicht einfach mit dem Strom ihrer Zeit schwammen, sondern nach Gottes Willen lebten.
Spurgeon verglich Boas mit Jesus: Genauso wie Boas Ruth erlöste und ihr eine Zukunft gab, erlöst Jesus dich und schenkt dir ewiges Leben. Du magst dich hilflos fühlen wie Ruth und Naomi, ohne Antworten auf deine Lebensfragen. Doch Jesus kann diese Antworten geben. Er begegnet dir mit derselben Gnade wie Boas der Ruth – unverdient, überfließend, lebensverändernd. Boas bezahlte für das Land. Jesus bezahlte für dich mit seinem Leben.
