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Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet

Samstag, 25. August 2012
38 Minuten

Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet

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Kain und Abel – zwei Brüder, zwei Opfer, aber nur eines findet Gottes Wohlgefallen. Warum Gott Abels Opfer gnädig ansah und Kains nicht, wird uns nicht erklärt. Im Hebräerbrief erfahren wir lediglich, dass Abel durch Glauben ein besseres Opfer darbrachte. Doch genau hier beginnt eine Geschichte, die uns mehr über Gott und uns selbst lehrt, als wir vielleicht erwarten.

Es gibt Situationen in deinem Leben, die du nicht verstehen wirst. Schicksalsschläge treffen dich, Krankheiten kommen, Segen bleibt aus – und du fragst dich: Warum? Die Wahrheit ist: Du hast kein Recht darauf, jede Entscheidung Gottes zu verstehen. Gott muss sich dir nicht rechtfertigen. Weder Kain noch du bekommen einen Bonus, wenn Gott etwas zulässt, das dir nicht gefällt. Gott sieht, Gott weiß, und Gott entscheidet – und du bist aufgerufen zu glauben, nicht alles zu begreifen.

Kains Reaktion war zutiefst menschlich: Er wurde wütend, sein Gesicht senkte sich, Ärger staute sich in ihm an. Und genau hier greift Gott ein. Er warnt Kain direkt: "Warum bist du so grimmig? Wenn du nichts Böses im Sinn hast, brauchst du dich nicht zu verstecken. Die Sünde lauert vor der Tür – aber du sollst über sie herrschen." Gott sieht dich in jeder Situation. Er kennt deinen Ärger, deine Enttäuschung, deine Bitterkeit. Und er gibt dir die Chance, damit richtig umzugehen, bevor es zu spät ist.

Doch Kain ignorierte Gottes Warnung. Er ließ den Ärger wachsen, bis er seinen Bruder erschlug – der erste Mord der Menschheitsgeschichte. Angestauter Ärger vergiftet Beziehungen, zerstört Gemeinschaft in Ehe, Familie und Gemeinde. Er legt sich wie Mehltau auf positive Gedanken und Gefühle. Ärger muss besprochen, geklärt und vergeben werden, sonst richtet er unermesslichen Schaden an.

Und dann kommt etwas Erstaunliches: Gott straft Kain hart – verflucht ihn, nimmt ihm den Segen für seine Arbeit. Doch als Kain Angst bekommt, dass ihn jemand töten könnte, setzt Gott ein Zeichen an ihn. Wer Kain anrührt, wird siebenfach bestraft. Selbst den schlimmsten Sünder schützt Gott vor menschlichem Gericht. Das ist die Botschaft: Du hast kein Recht, deinen Mitbruder zu richten oder zu verurteilen, egal wie offensichtlich seine Schuld ist.

Jakobus schreibt es klar: "Wer seinen Bruder richtet, der richtet das Gesetz. Einer ist der Gesetzgeber, der retten und verdammen kann. Wer bist du, dass du einen anderen richtest?" (Jakobus 4,11-12). Wie schnell bildest du dir ein Urteil über andere – über ihr Handeln, ihre Kleidung, ihren Lebensstil? Gott allein hat das Recht zu urteilen.

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