Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren – und sollst dich fürchten vor deinem Gott. Ich bin der Herr. Dieser Vers aus 3. Mose 19,32 zeigt eine tiefe Verbindung: Wahre Gottesfurcht führt zu echtem Respekt vor Menschen. Doch genau hier liegt oft unser Problem. Wir fordern Respekt von unseren Kindern ein, leben aber selbst respektlos gegenüber anderen. Wir behandeln Mitmenschen geringschätzig, streiten uns vor den Augen unserer Kinder – und wundern uns dann über deren Verhalten.
Respekt bedeutet "zurückschauen", Rücksicht nehmen. Es ist eine Form der Wertschätzung und Ehrerbietung gegenüber jedem Lebewesen. Doch unsere Gesellschaft ist geprägt von Respektlosigkeit: im Umgang mit Politikern, am Arbeitsplatz, in Schulen, gegenüber älteren Menschen, selbst in Familien. Besonders erschütternd ist, dass auch wir Christen oft respektlos mit anderen Gläubigen umgehen, die wir nicht ganz verstehen.
Der Psalm 139 zeigt uns etwas Wunderbares: Gott selbst hat Respekt vor dir und mir. Er kannte dich im Mutterleib, deine Tage waren in seinem Buch aufgeschrieben, bevor noch einer eintraf. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen (Jesaja 42,3). Gott kümmert sich um uns, auch wenn wir uns nicht um ihn kümmern. Er hat seinen eigenen Sohn für uns geopfert – ist solch ein Gott nicht wert, dass wir ihn respektieren?
Jesus geht noch weiter in Matthäus 5: Liebt eure Feinde, betet für die, die euch verfolgen. Wenn du nur die liebst, die dich lieben – was tust du damit Besonderes? Tun das nicht auch die, die Gott nicht kennen? Respekt bedeutet, den anderen bedingungslos anzunehmen, wie er ist. Zu verstehen, dass Gott ihn geschaffen und lieb hat.
Im 1. Timotheus 5,4 wird deutlich: Deine Ehrfurcht vor Gott zeigt sich darin, wie du deine Verantwortung anderen gegenüber wahrnimmst. Respekt gilt nicht nur Menschen, sondern auch Gottes Schöpfung. Wir sollen über die Erde herrschen – aber das bedeutet nicht, alles kaputt zu machen.
Jeder von uns braucht Wertschätzung und Anerkennung. Als Kinder unseres himmlischen Vaters, der uns beim Namen kennt, sollen wir diese Liebe weitergeben – an unsere Geschwister und an die, die von Gott noch nichts wissen.
