In unserer Zeit der Informationsflut haben wir gelernt, kritisch zu prüfen und zu filtern – eine wichtige Fähigkeit. Doch diese berechtigte Vorsicht kann zu einer geistlichen Gefahr werden, wenn wir dabei das Wirken Gottes in unserem Leben blockieren. Paulus warnt die Thessalonicher vor genau diesem Problem: dem Dämpfen des Heiligen Geistes aus übertriebener Skepsis heraus.
"Dämpft den Geist nicht, verachtet die Weissagung nicht, prüft alles, das Gute behaltet" – dieser Satz aus 1. Thessalonicher 5,19-22 ist im Griechischen tatsächlich ein einziger, zusammenhängender Gedanke.
Was bedeutet es eigentlich, den Geist zu dämpfen? Der Heilige Geist redet zu uns, erschließt uns Gottes Wort, wirkt Veränderung in unserem Leben. Wenn wir sein Wort nicht mehr lesen, ist das wie jemanden auf WhatsApp zu blockieren oder in den Spam-Ordner zu verschieben. Wir empfangen seine Nachricht einfach nicht mehr. Und was ist mit Weissagung? Geht es dabei wirklich nur um Zukunftsvorhersagen? Die Propheten des Alten Testaments hatten eine viel umfassendere Aufgabe: Sie verkündeten Gottes Ratschluss, zeigten Probleme auf und riefen zur Umkehr. Weissagung bedeutet, dass Gott unser Herz offenlegt – durch eine Predigt, durch Geschwister, die uns ansprechen. Hast du schon mal in einem Gottesdienst gesessen und gedacht: "Der spricht nur über mich"?
Doch hier liegt auch eine Gefahr: Verachten wir nicht manchmal diese Art der Weissagung, weil sie unbequem ist, weil sie wehtut? Sehnen wir uns nicht oft mehr nach spektakulären Erlebnissen als nach Geschwistern, die uns Gottes Wahrheit ins Leben sprechen?
Und dann kommt die Aufforderung: Prüft alles! Aber woran? An Erfahrungen? An Meinungen anderer? An YouTube-Videos? All das hat seinen Platz – doch wenn es die letzte Instanz wird, entwickeln wir einen "Second-Hand-Glauben". Die entscheidende Frage muss immer lauten: Was sagt Gottes Wort dazu? Nicht ungefähr, nicht nebulös, sondern konkret und im Kontext.
