Wer ist wohl der Größte im Reich der Himmel? Diese Frage stellten die Jünger Jesus – nach drei Jahren an seiner Seite, Tag und Nacht. Ihre Antwort zeigt, wie sehr sie noch mit sich selbst beschäftigt waren. Doch Jesus ruft ein Kind herbei und sagt etwas Radikales: "Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen" (Matthäus 18,1-4).
Was meint Jesus damit? Kinder im Kindergartenalter denken nicht darüber nach, wer sie sind oder wie sie dastehen. Sie verteidigen sich nicht ständig selbst. Sie leben einfach in der Abhängigkeit von ihrem Vater – und genau darin liegt ihre Freiheit. Jesus sagt in Matthäus 11,25, dass Gott seine Wahrheit vor den Weisen und Klugen verborgen hat, aber den Unmündigen offenbart. Den scharfsinnigen Denkern, die alles durchanalysieren müssen, bleibt es verschlossen. Den Kindern, die unverbildet sind, wird es geschenkt.
Viele von uns haben sich einen selbstgemachten Glauben antrainiert – anstrengend wie Skifahren mit falscher Technik. Wir verteidigen ständig etwas: unseren Glauben, unsere Weltsicht, unsere Position. Doch wer ständig verteidigt, lebt aus eigener Kraft. Diese Kraft geht irgendwann aus, und dann werden Menschen hart und bitter. Jesus lädt dich ein, die Führung abzugeben – so wie beim Skifahren, wenn du deinen Oberkörper talabwärts drehst, gegen deine natürliche Angst. Plötzlich wird es leicht.
Der Apostel Paulus musste seine Briefe schreiben, weil die Gemeinden immer wieder in diese Falle tappten: Wer weiß es am besten? Wer ist der Größte? Dabei ist die Botschaft so einfach: Sei kindlich abhängig von Gott und königlich unabhängig von Menschen. Kinder im Kindergarten würden ohne zu zögern Flyer verteilen und Menschen zu Jesus einladen. Sie denken nicht über Argumente nach oder was andere sagen könnten. Sie reden einfach von dem, was ihnen wichtig ist.
Das größte Hindernis ist oft unser Verstand, der sagt: "Das ist unmöglich. So einfach kann es nicht sein. Ich bin schon zu weit fortgeschritten." Doch Jesus sagt: Es ist möglich, wenn du es zulässt. "Wer sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel." Es bedeutet, auf dich zu nehmen, vor Menschen so gering dazustehen wie ein Kind – ohne alle gelehrten Argumente, einfach mit dem Zeugnis: Mein Vater im Himmel kann alles.
Der Psalmist sagt: "Der Herr denkt an uns und segnet uns." Du musst nicht selbst an dich denken. Dein Vater im Himmel denkt an dich. Hingefallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen – das ist das Leben in Jesus. Nicht das endlose Beschäftigen mit dem Gefallensein, sondern das einfache Aufstehen und Weitergehen im Vertrauen auf den Vater, der nie verlässt.
