Jesus identifiziert sich mit den Schwächsten in der Gesellschaft – mit Kindern. In Markus 10 lesen wir, wie Mütter ihre Kinder zu Jesus bringen wollen, damit er sie segnet. Doch die Jünger weisen sie barsch ab. Diese frommen Männer, die Jesus täglich begleiteten, die seine Bergpredigt gehört hatten, werden plötzlich grob und unfreundlich. Sie meinen, Jesus vor dem Lärm und der Unruhe der Kinder schützen zu müssen. Doch Jesus reagiert deutlich: "Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes."
Die Bibel zeigt uns eindrucksvolle Kinderpersönlichkeiten, die Gott für seinen Plan gebrauchte. Der junge Samuel, der als Kind zum Hohenpriester Eli kam und dessen Leben sich in dem Satz zusammenfassen lässt: "Rede, Herr, denn dein Knecht hört." Josia, der mit acht Jahren König wurde und von dem es heißt, er tat, was dem Herrn wohlgefiel. Josef, den Gott trotz der Bevorzugung durch seinen Vater für seine Erlösungsgeschichte gebrauchte. Und David, der Hirtenjunge, den nicht einmal sein eigener Vater für würdig hielt, vor dem Propheten Samuel zu erscheinen – doch Gott sah sein Herz an.
Diese Mütter in unserem Text haben etwas Entscheidendes verstanden: Alles, was wir unseren Kindern geben können – Liebe, ein gutes Zuhause, Ausbildung – reicht nicht aus. Unsere Kinder brauchen mehr. Sie brauchen den großen Meister des Lebens, der sie segnet und sein Leben in ihre Herzen hineinlegt. Investieren bedeutet nicht nur Geld für die Ausbildung einzusetzen, sondern Zeit, Geduld, Gebete und Vertrauen in unsere Kinder zu investieren.
Warum nimmt Jesus Kinder so ernst? Weil ihnen das Reich Gottes gehört. Während wir Erwachsenen in einem ständigen Glaubenskampf stehen, sind Kinder bereits jetzt Bürger des Reiches Gottes, weil ihre Seele arglos ist. Jesus warnt drastisch in Matthäus 18,6: Wer einen dieser Kleinen zum Abfall verführt, für den wäre es besser, mit einem Mühlstein im Meer versenkt zu werden.
Doch manchmal verwehren wir Kindern unbewusst den Weg zu Jesus. Wenn Eltern ihren Glauben nicht ernst nehmen, wenn Kinder keine leidenschaftliche Jesusliebe an uns erkennen können, wenn sie erleben, wie wir nach dem Gottesdienst anders sind als währenddessen – sind das nicht Hindernisse? Kinder sind nur eine Leihgabe des Herrn an uns. Sie gehören uns nicht, sie gehören ihm. Unsere Aufgabe ist es nicht, sie in unsere Form zu bringen, sondern ihnen Christus lieb zu machen und sein Wort ohne Druck vorzuleben.
Die Geschichte vom kleinen Jungen, der sich im Wald verirrte und gefunden wurde, aber Jahre später in Drogen und Alkohol versank – ohne dass jemand nach ihm suchte – zeigt die Tragik, wenn Eltern versäumen, ihre Kinder früh mit Jesus in Berührung zu bringen. Kinder aus christlichen Familien können sich verirren, wenn der Grund nicht früh und richtig gelegt wird.
"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich Gottes kommen" – diese Aussage Jesu ist revolutionär. Sie fordert uns auf, kindliches Vertrauen und Gehorsam gegenüber Gott zu entwickeln. Lasst uns zu Jesus kommen mit der Arglosigkeit von Kindern, denn durch ihn haben wir freien Zugang zum Thron der Gnade.
