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Josef und sein Wagnis zu vergeben

Sonntag, 28. Februar 2016
38 Minuten

Josef und sein Wagnis zu vergeben

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Josef wurde von seinen eigenen Brüdern nach Ägypten verkauft – für gerade mal 10 Silberstücke. Der Grund? Ihr Vater Jakob hatte ihn bevorzugt, ihm einen besonderen Ärmelrock geschenkt, und die Eifersucht der Brüder kannte keine Grenzen mehr. In 1. Mose 37,4 lesen wir, dass sie ihm Feind wurden und ihm kein freundliches Wort mehr sagen konnten. Was als Familienstreit begann, endete in einem teuflischen Plan: Sie wollten ihn töten, warfen ihn in eine Grube und verkauften ihn schließlich an eine vorbeiziehende Karawane.

Doch Josef reagierte anders, als du vielleicht erwarten würdest. An keiner Stelle in der Bibel lesen wir, dass Josef nicht bereit war zu vergeben. Selbst in den tiefsten Momenten seines Lebens – als Sklave im Haus Potiphars, zu Unrecht ins Gefängnis geworfen nach falschen Anschuldigungen – blieb eine Wahrheit bestehen: Gott war mit Josef. Nicht weil Josef so begabt oder perfekt war, sondern weil Gott bei ihm war, gelang ihm alles.

Die Wende kam unerwartet. Pharao hatte Träume, die niemand deuten konnte. Josef wurde aus dem Gefängnis geholt, legte die Träume aus und wurde zum zweiten Mann nach Pharao ernannt. Sieben Jahre Überfluss, sieben Jahre Hungersnot – Josef sorgte vor. Und genau diese Hungersnot zwang seine Brüder, nach Ägypten zu kommen. Sie mussten den Weg gehen, den ihr verhasster Bruder einst gegangen war. Die Vergangenheit holte sie ein.

Als die Brüder vor Josef standen – ohne zu wissen, wer er war – konfrontierte er sie schrittweise mit ihrer Schuld. In 1. Mose 42,21 sprechen sie untereinander: "Das haben wir an unserem Bruder verschuldet." Die Sünde, die sie vergraben hatten, stand ihnen wieder vor Augen. Und als Juda schließlich vor Josef niederkniete und um Gnade bat, brach Josef zusammen. Er konnte nicht länger spielen: "Ich bin euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt."

Josef verzichtete auf jedes Recht zur Rache. Er ging das Wagnis ein zu vergeben – wirklich zu vergeben. Selbst 17 Jahre später, als die Brüder nach Jakobs Tod erneut in Angst vor ihm niederfielen, blieb er dabei. Vergebung von Gott empfangen und Vergebung weitergeben – das gehört zusammen. Du kannst es nicht trennen. Wenn dir vergeben wurde, kannst du nicht hart bleiben und selbst Vergebung verweigern.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre deine Herzen und Sinne in Christus Jesus (Philipper 4,7).

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