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Ich und all die Anderen

Samstag, 2. Februar 2013
46 Minuten

Ich und all die Anderen

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In Apostelgeschichte 27,24 steht ein bemerkenswerter Satz: "Siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir schiffen." Paulus befindet sich nicht in einer gemütlichen Gemeindeversammlung, sondern auf einem Schiff, umgeben von Soldaten und Menschen, die ihm nicht wohlgesonnen sind. Genau in dieser Situation empfängt er diese Botschaft – alle diese Menschen sind ihm geschenkt.

Das führt uns zum Thema "Ich und all die Anderen" – zu einer Dienstbarkeit, die nicht nur gelegentlich einen Dienst verrichtet, sondern zur Identität wird. Jesus kam nicht, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen (Markus 10,45). Diese Haltung fordert uns heraus, unsere Position zu den anderen Menschen neu zu überdenken.

Gott hat die Verschiedenheit in die Schöpfung gelegt. Selbst in der Ehe, wo zwei Menschen so eins werden, dass sie buchstäblich eins werden, entsteht mit dem Kind wieder etwas völlig Anderes. In diese Verschiedenheit werden wir ausgesandt – wie die 70 Jünger in Lukas 10. Die Bibel spricht von Weltmeidung, aber gleichzeitig auch von Weltwidmung.

Lukas 10 zeigt uns drei entscheidende Lektionen: Erstens, gehe deinen Weg in Abhängigkeit von Gott, bewahre dabei innere Aufrichtigkeit. Zweitens, die Geschichte vom barmherzigen Samariter lehrt uns, nicht in Voreingenommenheit unsere eigenen Ziele bedingungslos zu verfolgen. Lies aus den Umständen, was gerade Priorität hat. Drittens, bei Maria und Martha lernen wir, dass selbst gute Absichten manchmal zurücktreten müssen.

Der Gegensatz zwischen Jona und Ananias ist aufschlussreich. Jona wollte Gott auf seine kleine Welt beschränken, hatte ein begrenztes Weltbild. Als Gott ihn nach Ninive sandte – zur Hauptstadt des Feindes – weigerte er sich. Ananias hingegen, als Gott ihn zu Saulus schickte, diesem gefürchteten Verfolger, ging er hin (Apostelgeschichte 9). Diese Offenheit bringt persönliche Reife und Bereicherung.

Das Leben selbst ist ein Geschenk – über sieben Milliarden Menschen haben es. Doch wir stellen oft Bedingungen an dieses Geschenk: Reichtum, Komfort, Sicherheit. Menschen in Armut, die nach einem Erdbeben unter Trümmern hervorgezogen werden und Gott loben, zeigen uns, dass sie das Leben mehr als Geschenk aus Gottes Hand annehmen.

Die Bedeutung unseres Lebens liegt in all den anderen, die uns umgeben. Wir haben Umweltkrisen, Nahrungskrisen, Armutskrisen – aber im Kern haben wir eine Krise im Denken, in der Position zwischen dem Ich und dem Anderen. Die Lösung liegt nicht in akademischer Forschung oder neuen Gesetzen, sondern in einem erneuerten Denken, wie Epheser 4 sagt: "Erneuert euch im Geist eures Gemüts."

Die Gemeinde kann die Hoffnung für diese Welt sein – wenn sie in der Gesinnung Christi arbeitet, wenn Dienstbarkeit zur Identität wird. Dann wird sie das schmackhafte Salz und das ansprechende Licht sein. Alle, die mit dir schiffen, sind dir geschenkt – damit du deinen Dienst an ihnen beweisen kannst und gleichzeitig von ihnen lernen darfst.

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