Jesus sitzt mit Petrus am Ufer des Sees Genezareth. Die Jünger haben gerade gefrühstückt, nachdem sie die ganze Nacht erfolglos gefischt hatten und am frühen Morgen doch noch einen großen Fang erlebten. Jetzt entfernen sich Jesus und Petrus von den anderen – Jesus hat dieses Gespräch unter vier Augen gewollt. Und dann stellt er die Frage, die alles verändert: "Simon Jona, hast du mich lieber, als mich diese haben?"
Nur wenige Tage zuvor war Petrus noch der Eiferer, der Mutige, der Wortführer unter den Jüngern. Er war derjenige, der auf dem Wasser lief, der sein Schwert zog, um Jesus zu verteidigen, der schwor: "Auch wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen!" Doch dann kam die Nacht im Hof des Hohepriesters. Eine Frau spricht ihn an: "Gehörst du nicht zu Jesus?" Und Petrus, der gerade noch so überzeugt war, antwortet: "Frau, ich kenne ihn nicht." Zweimal, dreimal wird er angesprochen – und jedes Mal verleugnet er Jesus, bis er schließlich sogar anfängt zu fluchen und zu schwören. Als der Hahn kräht, bricht alles in ihm zusammen. Er geht hinaus und weint bitterlich.
Jetzt steht Petrus vor Jesus – beschämt, verzweifelt, nicht mehr der selbstsichere Mann von einst. Jesus hätte allen Grund, ihm Vorwürfe zu machen, ihn bloßzustellen, in die Wunde zu stechen. Aber das tut er nicht. Stattdessen fragt er nur: "Hast du mich lieb?" Petrus antwortet zaghaft: "Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe." Und Jesus vertraut ihm eine große Aufgabe an: "Weide meine Lämmer."
Ein zweites Mal die gleiche Frage. Ein drittes Mal. Dreimal hatte Petrus Jesus verleugnet – dreimal darf er seine Liebe beteuern. Bei der dritten Frage wird Petrus traurig, aber er antwortet: "Herr, du weißt alle Dinge. Du weißt, dass ich dich lieb habe." Jesus interessiert nichts anderes als diese Liebe. Er fragt nicht nach guten Werken, nicht nach Bibelwissen, nicht nach perfekter Gebetspraxis. Nur: "Hast du mich lieb?"
In Johannes 21,15-22 wird deutlich: Die einzige Qualifikation für den Dienst an Jesus ist die Liebe zu ihm. Petrus konnte nichts vorweisen außer dieser Liebe – und das genügte Jesus. Er richtete den Versager wieder auf, ohne die Vergangenheit ständig vorzuhalten. Wie Petrus später selbst schreibt: "Die Liebe wird bedecken der Sünden Menge" (1. Petrus 4,8).
Jesus hatte bereits für Petrus gebetet, dass sein Glaube nicht aufhöre (Lukas 22,31-33). Er wusste, was kommen würde, und er wusste auch, dass Petrus umkehren würde. Genau das tut Jesus auch heute noch – er betet für dich, er kennt dein Herz, er weiß um deine Liebe zu ihm, auch wenn du versagt hast.
Die Frage, die Jesus Petrus stellte, gilt auch dir: "Hast du mich lieb?" Nicht: Bist du perfekt? Nicht: Hast du nie versagt? Sondern einfach: Liebst du mich? Denn wer Jesus liebt, wird bei ihm Zuflucht suchen, wenn er gefallen ist. Die Liebe zu Jesus ist die Grundlage für alles andere. Wie Jesus selbst sagt: "Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote."
Was würdest du Jesus antworten, wenn er dir diese Frage stellen würde? Bedenke: Er weiß bereits die Antwort, denn er sieht dein Herz.
