Jesus warnt seine Jünger eindringlich: "Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und des Herodes!" Diese Warnung kommt nicht zufällig. Die Pharisäer hatten gerade wieder ein Zeichen von Jesus gefordert, obwohl er bereits unzählige Wunder vollbracht hatte. Jesus verweist sie auf das Zeichen des Jona – jenen Propheten, der drei Tage im Bauch des Fisches war, bevor er den Menschen in Ninive Buße predigte. Ein kraftvolles Bild auf seinen eigenen Tod und seine Auferstehung.
Doch was meint Jesus mit diesem "Sauerteig"? In Lukas 12,1 wird es deutlich: Es ist die Heuchelei. Sauerteig – für jeden Juden ein vertrautes Bild. Vor dem Passafest musste jedes Haus davon gereinigt werden, jeder Krümel musste entfernt werden. Denn Sauerteig wirkt unsichtbar, durchdringt alles und verändert den ganzen Teig. Genauso funktioniert Heuchelei in deinem Leben: Sie beginnt klein, fast unbemerkt, aber sie durchsäuert nach und nach dein ganzes Herz.
Das griechische Wort für Heuchler bedeutet "Schauspieler" – jemand, der eine Maske trägt und seine wahre Stimme verstellt. In der Bergpredigt zeigt Jesus drei konkrete Beispiele: Menschen, die ihre Frömmigkeit zur Schau stellen, die beten, um von anderen bewundert zu werden, die beim Fasten elend aussehen wollen, damit alle ihr Opfer sehen. Sie tun alles, um von Menschen gesehen zu werden – aber ihr Herz ist weit von Gott entfernt.
In Matthäus 23 rechnet Jesus mit den Pharisäern ab. Sieben Mal ruft er "Wehe!" über sie aus. Sie binden schwere Lasten auf die Schultern der Menschen, rühren selbst aber keinen Finger. Sie tragen breite Gebetsriemen und große Quasten, lieben die Ehrenplätze und wollen "Rabbi" genannt werden. Sie verzehnten Minze, Anis und Kümmel bis ins kleinste Detail, vernachlässigen aber Recht, Erbarmen und Glauben. Sie gleichen getünchten Gräbern – außen schön, innen voller Totengebeine.
Wie schnell passiert uns das auch? Wir achten auf die Form, auf den äußeren Schein, darauf, was Menschen von uns denken. Wir setzen ein freundliches Lächeln auf, obwohl es uns innerlich ganz anders geht. Wir pflegen bestimmte fromme Gewohnheiten, aber unser Herz bleibt unberührt. Wir wollen von anderen bewundert werden für unsere Frömmigkeit, aber vor Gott sind wir leer.
Der Sauerteig unserer Gesellschaft, der Sauerteig des Herodes – die Anpassung an die Welt, das politisch Korrekte, das Gefallen-Wollen – macht sich auch in unserem Leben breit. Und wenn zu dieser Form der Heuchelei noch Bosheit, Sünde und böse Absichten hinzukommen, entsteht ein gefährliches Gebräu, das nicht mehr aufzuhalten ist.
Doch es gibt einen Ausweg. In 1. Korinther 5,8 heißt es: "Lasst uns das Fest feiern nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern in ungesäuertem Teig der Lauterkeit und der Wahrheit." Jesus ruft uns in den Seligpreisungen zu: "Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen."
Gerade jetzt in der Osterzeit bist du eingeladen, in dein Herz hineinzuschauen. Wo trägst du nur eine fromme Maske? Wo heuchelst du? Wo ist dein Inneres nicht befreit vom Sauerteig der Sünde? Dem Aufrichtigen lässt Gott gelingen – wenn du ehrlich bist mit dir selbst und mit Gott, wird er dich segnen und begleiten.
