Die Nachrichten überschlagen sich mit schlechten Meldungen: steigende Preise, politische Spannungen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche. Als Christen stehen wir mittendrin und ringen mit der Frage, wie wir in einer Welt leben sollen, die sich zunehmend von Gott abwendet. Zwischen Rückzug, Anpassung und Widerstand suchen wir nach dem richtigen Weg. Dabei übersehen wir oft, dass unsere Gedanken über die Zeit nicht automatisch Gottes Gedanken sind.
Ein christlicher Therapeut beschreibt unser Denken wie eine Kette: Aktuelle Gedanken verbinden sich mit Erinnerungen und Überzeugungen, bilden schwere Bündel, die uns gefangen nehmen können. Psalm 77,4 bringt es auf den Punkt: "Grüble ich über alles nach, so verlässt mich der Mut." Doch sind die düsteren Gedanken über unsere Zeit wirklich Gottes Gedanken?
Jeremia 29,11-14 spricht in eine Situation hinein, die unserer verblüffend ähnlich ist. Das Volk Israel – weggeführt nach Babylon, fern ihrer Heimat, unter fremder Herrschaft. Genau wie wir sind sie nur Besucher, nicht zu Hause. Doch was sagt Gott ihnen? Keine Durchhalteparolen, kein Mitleid. Stattdessen: "Baut Häuser, pflanzt Gärten, sucht den Frieden der Stadt."
Was bedeutet es, Ja zu sagen zu Umständen, die wir uns nicht ausgesucht haben? Wie kann es sein, dass Gott seinem Volk zuruft, sich einzurichten – für 70 Jahre? Und was hat das mit dem Vaterunser zu tun, wenn Jesus uns lehrt, um unser tägliches Brot zu beten?
Die Spannung ist real: Wir leben in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. Doch vielleicht ist gerade die Dunkelheit um uns herum die beste Gelegenheit, hell zu leuchten. Vielleicht ist dein persönliches "Babylon" – ob Krankheit, Arbeitslosigkeit oder innere Kämpfe – genau der Ort, wo Gott dich haben möchte. Nicht um dich zu quälen, sondern weil er gute Gedanken über dir hat. Gedanken des Friedens, der Zukunft und der Hoffnung.
