Gottes Eingreifen in dein Leben ist keine Selbstverständlichkeit – es ist pure Gnade. Der Philosoph Bertrand Russell versuchte 1927 nachzuweisen, warum er kein Christ ist. Dabei zeichnete er ungewollt ein beeindruckendes Bild: Ein Christ ist nicht jemand, der sich nur bemüht, anständig zu leben. Ein Christ ist jemand, der von einer tiefen Überzeugung ergriffen ist, dessen Leben von Gott selbst verändert wurde.
In Apostelgeschichte 8 begegnen wir Philippus, einem der sieben Diakone. Das Anforderungsprofil für diese praktische Aufgabe war knapp, aber anspruchsvoll: guter Ruf und voll des Heiligen Geistes. Gott spricht direkt zu Philippus und sendet ihn auf eine einsame Straße nach Gaza. Warum konnte Philippus so blind gehorchen? Weil er Gott kannte. Er war überzeugt von der Botschaft, die er weitergab.
Auf dieser Straße begegnet Philippus einem äthiopischen Kämmerer – einem hochrangigen Finanzverwalter der Königin. Dieser Mann hatte Zeit und Geld nicht gescheut, war nach Jerusalem gereist, um anzubeten, und hatte sogar eine Jesaja-Rolle gekauft. Doch als Kastrierter hatte er nach dem Gesetz keinen Zugang zum Tempel. Trotzdem suchte er Gott mit ganzer Sehnsucht. Gott hatte diese Sehnsucht in sein Herz gelegt – wie ein Hirsch nach Wasserbächen lechzt, so dürstete seine Seele nach dem lebendigen Gott.
Als Philippus ihn trifft, liest der Kämmerer gerade Jesaja 53 – ausgerechnet die entscheidendste Stelle über das Opfer Christi. Doch es war ihm versiegelt wie Hieroglyphen. Gottes Wort ist ein Geheimnis, das nur Gott selbst öffnen kann. Philippus fragt: "Verstehst du, was du liest?" Die ehrliche Antwort: "Wie kann ich denn, wenn mich niemand anleitet?"
Hier geschieht das Wunder: Gott gebraucht Philippus, um diesem suchenden Menschen das Evangelium zu erklären. Die befreiende Botschaft lautet: Kein Opfer, das du bringen kannst, reicht aus – außer dass Christus selbst das Opfer war. Sein Blut reinigt dein Gewissen von toten Werken, damit du dem lebendigen Gott dienen kannst.
Dass du Christ bist, verdankst du nicht dem Einfluss deiner Eltern oder deiner persönlichen Entscheidung. Jesus sagt in Lukas 19,10: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist." Die Initiative geht von Gott aus. Nicht du hast dich für Christus entschieden – Christus hat sich für dich entschieden.
Als der Kämmerer Wasser sieht, fragt er: "Was hindert mich, getauft zu werden?" Seine Antwort zeigt die entscheidende Erkenntnis: "Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist." Diese Erkenntnis kann nur Gott schenken. Jede Taufe beginnt mit einem Wunder – mit Gottes übernatürlichem Eingreifen in ein Menschenleben.
