Moses hatte gläubige Eltern, besonders seine Mutter Jocheved, die ihm in frühester Kindheit das Wichtigste mitgab: das Wissen um einen lebendigen, heiligen Gott. Dann wurde er aus seiner Familie herausgerissen und kam an den Hof des Pharaos. Über dreißig Jahre verbrachte er dort, genoss alle Vorzüge dieser gehobenen Stellung und eignete sich das gesamte Wissen Ägyptens an. Doch eines vergaß er nie – den Glauben seiner Mutter und die Zugehörigkeit zum auserwählten Volk.
Als junger Mann sah Moses das furchtbare Unrecht an seinem Volk. Voller Wut erschlug er einen ägyptischen Sklaventreiber. Moses war ein Idealist und Rebell, überzeugt von seinen Fähigkeiten, seinem Mut und seiner Kraft. Er wollte aus eigener Kraft der Retter seines Volkes werden – ohne von Gott berufen zu sein. Doch Gott schwieg. Er ließ Moses gewähren, gab ihm freien Spielraum. Am nächsten Tag wurde Moses von seinen eigenen Leuten verraten. Seine ganze Welt brach zusammen wie ein Kartenhaus. Von einem Tag auf den anderen stand er vor dem Scherbenhaufen seines jungen Lebens.
Moses floh nach Midian, und Gott zog ihn – wie schon als Kind aus dem Wasser – aus diesem Schlamassel heraus. Dort traf er Reguel, einen treuen Priester Gottes. Reguel legte Moses ein zweifaches Joch auf: die Ehe mit seiner Tochter Zippora und den Hirtendienst. Vierzig Jahre lang trieb Moses Schafe durch die Wüste – in die Stille vor Gott. Der hoch ausgebildete Mann aus dem Palast wurde zum einfachen Hirten. Aus dem selbstbewussten Rebellen wurde ein Mann, der sein eigenes Unvermögen erkannte.
Dann, mitten in der Wüste, begegnete Gott dem Moses in einem brennenden Dornbusch. Gerade dort, wo Moses die Folgen der Sünde und des Fluches erlebte, offenbarte sich Gott. "Mose, Mose!" rief er. Und Moses antwortete: "Hier bin ich." Gott forderte ihn auf: "Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliges Land." Moses sollte die Schuhe seines alten Lebens ablegen, all die falschen und frommen Irrwege. Mit achtzig Jahren beugte sich Moses vor Gott und legte seine Schuhe ab. Erst im Licht der Heiligkeit Gottes wurde ihm sein eigener Staub bewusst. Und ab diesem Zeitpunkt konnte Gott ihn gebrauchen – denn Gott bedient sich nur zerbrochener Stäbe zum Bau seines Reiches.
