Im Buch der Richter steht ein erschütternder Satz über das Volk Israel: "Es kam eine andere Generation auf, die den Herrn nicht kannte, noch die Werke, die er an Israel getan hatte" (Richter 2,10-11). Diese Generation lebte nur wenige Jahrzehnte nach den größten Wundern der Geschichte – dem Auszug aus Ägypten, der Teilung des Roten Meeres, der Versorgung in der Wüste. Vierzig Jahre lang hatten sich ihre Schuhe nicht abgenutzt, ihre Kleider nicht verschlissen. Sie waren Zeugen gewesen, wie Gott sein Volk führte, versorgte und beschützte.
Doch jetzt, im verheißenen Land angekommen, im Wohlstand lebend, vergaßen sie Gott. Sie hatten die Bundeslade in ihrer Mitte, die zehn Gebote, einen organisierten Gottesdienst, Priester und Leviten. Sie konnten die Geschichten ihrer Eltern und Großeltern hören. Alles war greifbar, sichtbar, erlebbar. Und trotzdem heißt es: Sie kannten Gott nicht mehr.
Diese Warnung gilt auch uns heute. Viele von uns können sich an Wunder erinnern, die Gott an unseren Eltern und Großeltern getan hat – Bewahrung in Verfolgung, Heilungen, übernatürliche Versorgung in Hungerzeiten. Doch jetzt leben wir im Wohlstand, haben Versicherungen für alles, verdienen gutes Geld. Wozu brauchen wir noch Gott? Unsere Kinder wachsen in Sicherheit auf, bekommen gute Ausbildung, haben alles – aber kennen sie Gott persönlich?
Es reicht nicht, von Gott zu wissen. Du kannst die biblischen Geschichten kennen, in Gottesdienste gehen, die Bibel besitzen – und trotzdem Gott nicht wirklich kennen. Genauso wie du ein Auto fahren kannst, ohne zu verstehen, wie der Motor funktioniert, kannst du religiöses Wissen haben, ohne eine lebendige Beziehung zu Gott zu führen. Petrus zeigt uns den Weg an Pfingsten: "Tut Buße und lasst euch taufen" (Apostelgeschichte 2,38). Bekehrung ist der erste Schritt – aber danach kommt die Nachfolge.
Gott hat uns Verheißungen gegeben: seinen Geist auszugießen, Kranke zu heilen, in unserem Leben zu wirken. Aber wir müssen diese Verheißungen in Anspruch nehmen, Gott erlauben, durch uns zu wirken. Es geht nicht darum, alles mit unserem Verstand zu kontrollieren, sondern Gott Raum zu geben. Wir brauchen nicht nur Wissen über Gott – wir brauchen persönliche Erfahrungen mit ihm. Unsere Kinder müssen nicht nur hören, was Gott früher getan hat, sondern heute erleben, wie er wirkt. In dieser Adventszeit, während wir auf das Kommen des Herrn warten, lass uns Jesus nicht nur erwarten, sondern jetzt erleben – heute, in unserem Alltag, in unserem Leben.
