Ein kleiner Junge sitzt traurig am Spielplatzrand. Seine Schwester ist blind, und er hat schon so oft zu seinem verstorbenen Vater im Himmel gebetet – ohne Antwort. Eine ältere Dame setzt sich zu ihm, schreibt für ihn einen Brief an Gott. Eine Woche später kommt die Antwort: Die Operation wird durchgeführt, als Bezahlung wünscht sich der Professor nur einen Apfelkuchen. Die Dame war die Frau des Facharztes. Von diesem Tag an glaubte der Junge an Wunder.
Glaube versetzt Berge – das kennt jeder. Aber was ist echter Glaube wirklich? Im Alten Testament lesen wir von Henoch in 1. Mose 5,22, dass er mit Gott wandelte – nicht nur über Gott redete, sondern seinen ganzen Alltag mit Gott bestritt. Vor seiner Entrückung wird ihm bezeugt, dass er Gott gefallen hat. Ohne Jesus gekannt zu haben, lebte er in dieser praktischen Verbindung mit seinem Schöpfer. Auch Elia zeigt uns, was Glauben bedeutet: unbedingter Gehorsam. Als Gott sagt "Versteck dich am Bach Krit", geht er. Als der Bach versiegt und Gott ihn zur mittellosen Witwe schickt, packt er sein Zeug und geht.
Römer 10,17 sagt klar: Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Wenn du wirklich Ermutigung brauchst, musst du unter Gottes Wort kommen. Die Bibel allein zu lesen ist gut, aber uns fehlt oft die Gemeinschaft mit anderen – Menschen, die uns Mut zusprechen, korrigieren, einen anderen Blickwinkel zeigen. Schätzen wir noch das Vorrecht der Gemeinde? Oder ziehen wir uns zurück ins Schneckenhaus nach dem Motto: "Ich kann auch so an Gott glauben"?
Glaube ist kein Gefühl. Gefühle kennen wir alle – wenn wir verliebt sind, wenn wir Eltern werden, wenn wir uns aufregen. Der Teufel benutzt Gefühle manchmal, um uns zu verunsichern. Selbst langjährige Gläubige zweifeln plötzlich. Aber Glaube baut auf Tatsachen auf, nicht auf Gefühlen. Jesus hatte auch Gefühle – im Garten Gethsemane rang er verzweifelt mit Gott. Aber er hat diese Gefühle artikuliert und an seinen Vater adressiert, nicht in sich hineingefressen. Wo das Licht des Wortes Gottes fehlt und du im Dunkeln tappst, musst du dich auf dein Gefühl verlassen. Aber der Psalmist sagt in Psalm 119: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte."
Der Hauptmann in Matthäus 8 zeigt uns, was es heißt, Gottes Wort in Anspruch zu nehmen. Sein Knecht liegt gelähmt zu Hause. Jesus sagt: "Ich will kommen und ihn heilen." Aber der Hauptmann antwortet: "Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund." Jesus wunderte sich und sagte: "Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden." Warum? Weil der Hauptmann glaubte, obwohl er noch kein Ergebnis sah. Das ist Glaube – wir sehen nicht in ganzer Schärfe das Bild, aber wir glauben dennoch.
Römer 3,23-26 macht deutlich: Wir sind allesamt Sünder und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung in Christus Jesus. Spurgeon sagte: "Der stolze Mensch will sich selber selig machen." Aber Errettung geschieht allein durch den Glauben, allein durch die Gnade, allein durch Christus. Egal wie gut du bist, egal wie du dich abmühst – du wirst es nicht schaffen, ein guter Mensch zu sein, es sei denn, du kommst vor Christus und bekennst: "Ich schaff's nicht." Epheser 2 sagt: "Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es."
Aber Jakobus 2 erinnert uns: Glaube ohne Werke ist tot. Echter Glaube lässt Taten folgen. Wenn jemand ein Feuer anzündet, entsteht Rauch. Wo Rauch ist, ist Feuer. Aber was wärmt? Das Feuer, nicht der Rauch. Gutes können wir auf verschiedene Weise tun, aber als Gläubige haben wir das Vorrecht, es aus Liebe zu Jesus zu tun. Wenn dein Glaube wie stehendes Wasser ist – kein Zufluss, kein Abfluss – wird er schlecht. Aber wenn frisches Wasser reinkommt durch deine Verbindung mit Jesus, werden Werke herauskommen, ohne dass du dich so sehr bemühen musst.
