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Gehet hin

Sonntag, 25. Juni 2017
49 Minuten

Gehet hin

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Deutschland ist zum zweit- oder drittgrößten Missionsland der Welt geworden – doch die meisten Gemeinden waren darauf nicht vorbereitet. Als 2015 die Flüchtlingswelle begann, brannte mein Herz. Ich sah die Bilder von Menschen, die alles verloren hatten, zerrissen und kaputt. Einer davon war mein Bruder, ein Chefarzt aus Aleppo, der nur mit seinen Kleidern nach Deutschland kam.

Um zu verdeutlichen, was mit diesen Menschen geschah, nahm ich einen Geldschein und zerknüllte ihn, trat darauf herum. Hat er seinen Wert verloren? Nein. Genauso wenig haben die Syrer ihren Wert verloren, auch wenn sie unter die Füße getreten wurden. Von den 1,8 Millionen Flüchtlingen seit 2014 sind 95 Prozent Muslime, nur 5 Prozent Christen. Die Hälfte hat kaum Bildung, viele sind Analphabeten. Das ist die Realität, nicht das, was in den Medien berichtet wird.

Dann kam der Anruf aus Bad Homburg: "Wir brauchen Sie heute Nacht, es kommen Busse mit Flüchtlingen." Ich arbeitete zehn Stunden täglich in meinem Geschäft, hatte meine Gemeinde – wie sollte ich das schaffen? Doch Gott führte mich genau dorthin. In der Unterkunft begegnete ich Menschen mit Läusen, nassen Kleidern vom Meer, kranken Kindern mit offenen Wunden. Unbeschreiblich.

Eine Woche später fragte mich eine Mitarbeiterin: "Du bist Pastor – was machst du hier?" Ich antwortete: "Der richtige Platz für einen Pastor ist nicht nur die Kanzel am Sonntag. Die Woche hat andere Plätze." Kurz darauf kamen elf Iraner zu mir, hungrig nach Gottes Wort. Alle elf entschieden sich für Jesus und ließen sich taufen.

Dann geschah etwas Unfassbares: In Heidelberg, bei einer Anhörung mit 400 Flüchtlingen, rief ich einen Namen auf – und vor mir stand ein Mann, für den wir 25 Jahre gebetet hatten. Er hatte sich 1984 in Aleppo bekehrt und war spurlos verschwunden. Jesus verliert seine Schafe nicht. Solche Wunder können wir nur erleben, wenn wir hingehen.

Die meisten Christen sind heute Zuschauer geworden. Wir gehen zum Gottesdienst wie zu einem Konzert, spenden etwas Geld und denken, damit sei unsere Aufgabe erfüllt. Aber Gott will nicht nur dein Geld – er will dich als Diener. Wir haben ein kurzes Leben und einen großen Auftrag. Matthäus 28 sagt: "Gehet hin!" Nicht: "Sitzt und wartet."

Vor drei Wochen besuchte ich junge Muslime, die einen Christen bedroht hatten. Drei Stunden sprach ich mit ihnen – ohne Erfolg. Ich dachte: "Was habe ich erreicht?" Eine Woche später der Anruf: Sechs muslimische Familien und über 15 Jesiden interessieren sich für Jesus. Durch meine Bewegung öffnete Gott eine große Tür.

Dein Leben wird sich um 180 Grad verändern, wenn du dich bewegst. Es muss nicht über die Gemeinde laufen – fang einfach an. Setz dich auf eine Bank in der Stadt und rede mit jemandem über Jesus. Du kannst etwas bewegen!

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