Gebet ist lebenswichtig – es ist das Ausatmen der Seele, wie jemand treffend gesagt hat. Doch wie gehst du damit um, wenn du betest und betest und scheinbar nichts geschieht? Wenn deine Gebete nicht höher als bis zur Decke zu steigen scheinen?
Die gute Nachricht: Gott ist auch unter der Decke. Er ist Geist, er lebt, und er kennt dein Leben genau. Gebet bedeutet, dein Leben vor Gott zur Sprache zu bringen – mit allem, was dich bedrückt, was dir Schwierigkeiten macht, aber auch mit Dank und Lobpreis.
Der Rabbiner Abraham Heschel hat das Hauptziel des Betens so beschrieben: Gott zu bewegen, an unserem Leben Anteil zu nehmen, und uns zu bewegen, an ihm Anteil zu nehmen. Gebet ist keine Einbahnstraße aus Bitten und Klagen. Genauso wie eine Beziehung zwischen Menschen stirbt, wenn der Austausch fehlt, stirbt unsere Beziehung zu Gott ohne Gebet.
Die Bibel fordert uns aktiv zum Gebet auf: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten" (Psalm 50,15). "Bittet, so wird euch gegeben. Suchet, so werdet ihr finden" (Matthäus 7,7). Paulus schreibt an die Thessalonicher, sie sollen "ohne Unterlass beten" (1. Thessalonicher 5,17). Selbst die Jünger, die so lange mit Jesus zusammen waren, baten ihn: "Herr, lehre uns beten." Das zeigt: Auch sie waren Lernende, unvollkommen – und dennoch gebrauchte Gott sie.
Aber was ist mit den Gebeten, die unbeantwortet bleiben? Paulus wurde von seinem körperlichen Leiden nicht geheilt, obwohl er mehrfach darum bat. Selbst Jesus betete im Garten Gethsemane: "Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir" (Markus 14,36) – und der Kelch ging nicht vorüber. Es ist mutmachend zu wissen: Der Sohn Gottes selbst hat dasselbe durchgemacht wie du.
Warum erhört Gott manche Gebete scheinbar nicht? Manchmal liegen eigensüchtige Motive zugrunde. Jakobus schreibt: "Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet" (Jakobus 4,3). Manchmal ist der Zeitpunkt falsch – Gottes Zeitmaß ist anders als unseres. Abraham musste lange auf den versprochenen Sohn warten. Manchmal sind es unbereinigte Sünden: "Eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott" (Jesaja 59,2).
Und manchmal gibt es keine Antwort, die wir verstehen. Gott sagt in Jesaja 55,8-9: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege. So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege."
Was bleibt dir in solchen Situationen? Bring deine Klage vor Gott – schütte dein Herz bei ihm aus. Höre nicht auf zu beten. Ein Notschrei ist kein Selbstgespräch, er wird zur Bitte an Gott und überwindet die Einsamkeit.
Gebet ist mehr als eine Aneinanderreihung von Bitten. Paulus schreibt: "Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden" (Philipper 4,6). Dank, Lob, Anbetung, Fürbitte – all das gehört dazu und pflegt deine Beziehung zu Gott. Durch das Gebet bleibst du in lebendiger Verbindung mit ihm, auch wenn du manches nicht verstehst.
