Aus dem römischen Gefängnis erreichte die Gemeinde in Philippi ein Brief, der alles auf den Kopf stellte. Während draußen Verfolgung tobte und drinnen Ungewissheit herrschte, schrieb Paulus Worte, die wie ein Lichtstrahl durch die Finsternis brachen: "Freut euch in dem Herrn allewege!" Zweimal betonte er es, als wollte er sicherstellen, dass diese radikale Botschaft auch wirklich ankommt. Diese Freude war kein oberflächlicher Optimismus, sondern entsprang einer Quelle, die selbst die härtesten Umstände nicht versiegen lassen konnten.
In Philipper 4,4-7 gibt Paulus drei kraftvolle Aufforderungen, die gerade in unserer Zeit von Sorgen um Geld, Zukunft und Sicherheit eine völlig neue Bedeutung bekommen. Freut euch – seid freundlich – sorget euch nicht. Klingt das nicht fast naiv angesichts echter Krisen? Doch Paulus predigte kein Wohlstandsevangelium. Er kannte Leid, Verfolgung und echte Not. Seine Freude entsprang aus etwas viel Tieferem.
Das Passahfest erinnert die Juden bis heute daran, wie Gott sie aus der Sklaverei in Ägypten befreite. Das Blut an den Türpfosten, das ungesäuerte Brot, die bitteren Kräuter – alles Zeichen der Befreiung. Und genau in dieser Tradition feierte Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. "Das ist mein Leib... das ist mein Blut", sagte er in Matthäus 26. Johannes der Täufer hatte es prophetisch ausgedrückt: "Siehe, das ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt."
Was bedeutet es wirklich, dass wir durch Jesus aus der Knechtschaft der Sünde befreit wurden? Ist uns bewusst, welches Privileg es ist, in Verbindung mit ihm zu stehen? Der Prophet Jesaja bringt es auf den Punkt in Kapitel 61,10: Gott hat uns die Kleider des Heils angezogen und uns mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.
Die erste Gemeinde lebte diese Freude so radikal, dass selbst griechische Denker staunten: Sie teilten mit Armen, nahmen Fremde auf wie Geschwister und fasteten, damit andere essen konnten. Diese Freundlichkeit war nicht gespielt – sie kam von Herzen. Und der Frieden, den Paulus verspricht? Er übersteigt jeden Verstand. Es ist ein Geschenk, das wir annehmen dürfen, gerade wenn die Umstände alles andere als friedlich sind.
