Euer Herz erschrecke nicht, glaubt an Gott und glaubt an Mich!
Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Jahr wie eine Frau vor einer Tür aus schwarzem Granit – das Ungewisse, das Dunkle liegt vor uns. In der Hand halten wir eine Rose, Symbol für all das Leid und Glück, die Freude und Trauer, die Liebe und Trennung, die unser Leben prägen. Zögernd öffnen wir die Tür, während wir einen letzten Blick zurückwerfen auf das vergangene Jahr.
Johannes 14,1 spricht direkt in diese Situation hinein: "Euer Herz erschrecke nicht, glaubt an Gott und glaubt an mich." Diese Worte klingen hart, aber sie nehmen uns alle falschen Vorstellungen und Illusionen. Das Jahr 2015 war geprägt von Ereignissen, die uns tief erschüttert haben – der Germanwings-Absturz, die Terroranschläge in Paris, die Flüchtlingskrise vor unserer Haustür. Wir erlebten politische Krisen wie in Griechenland, wo ein demokratischer Staat vor dem Kollaps stand. Wir sahen zunehmende Ungerechtigkeit, Skandale in Wirtschaft und Sport, Kindesmissbrauch in kirchlichen Einrichtungen.
Die Bibel sagt in Römer 8,22, dass die ganze Schöpfung mit seufzt und in Wehen liegt. Sie sehnt sich nicht nach Klimagipfeln oder Schutzzonen – sie sehnt sich nach der Erlösung des Menschen. Das ökologische Problem liegt in der Unerlöstheit des Menschen.
Auch auf geistlicher Ebene erleben wir erschreckende Entwicklungen: schwindendes Interesse an Gott in unserem Land, während gleichzeitig eine der größten Christenverfolgungen weltweit stattfindet. Und dann gibt es die persönlichen Dinge – Angst vor Arbeitslosigkeit, Druck im Beruf, die schlimme Diagnose, der Verlust eines geliebten Menschen.
Aber Gott weiß um all diese Dinge. Seine Treue zeigt sich siebenfach: in seiner Langmut und Güte, in seiner Allmacht, die er täglich in der Schöpfung beweist (Matthäus 5,45), in seiner Gerechtigkeit, die richtet, aber auch in seiner Gnade, die annimmt. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, uns zu vergeben (1. Johannes 1,9). Er hält die Treue in unserer Gotteskindschaft, in unserer Heiligung, in Versuchungen und Anfechtungen, und in seinen Verheißungen.
Psalm 119,67 zeigt uns: "Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich." Gott lässt manchmal zu, dass wir zerbrochen werden, damit wir seinen Willen erkennen. Treu ist der Herr, der uns festmachen wird und vor dem Bösen bewahren wird. Weil Gott durch Jesus Christus unser himmlischer Vater wurde, zieht er uns in sein väterliches Herz. Mit dieser Zuversicht dürfen wir sagen: Herr, was auch kommen mag im neuen Jahr – dein Wille geschehe.
