Jesus zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück – dorthin, wo schon der Prophet Elia Zuflucht fand. Er trug Leid um Johannes den Täufer, der gerade enthauptet worden war. Und mitten in diesem Leid kamen Pharisäer und beschuldigten ihn. Wenn du im Leid bist, schlägt der Feind oft noch härter zu. Genau dann gilt es, den Glauben nicht wegzuwerfen.
In dieser heidnischen Gegend begegnet Jesus einer verzweifelten Frau. Matthäus nennt sie eine Kananiterin – nicht nur eine geografische Bezeichnung, sondern ein Hinweis auf ihren geistlichen Hintergrund. Die Kananiter waren jenes Volk, das Baalstempel bauten, Tempelprostitution praktizierten und deren Königin Isebel die Propheten Gottes verfolgte. Ihre Göttin Ashera wurde von Hunden begleitet, die Seelen ins Totenreich trugen. Und genau mit diesem Erbe kommt diese Frau: Ihre Tochter ist von einem unreinen Geist besessen.
Die Bibel zeigt klar die Zusammenhänge zwischen Sünde und ihren Folgen. Gott sagt: "Ich suche die Schuld der Väter heim bis ins dritte und vierte Glied derer, die mir feind sind – aber ich erweise Gnade an vielen Tausenden, die mich lieben." Diese Frau zerbrach am Elend ihrer Tochter, am Leid, das durch Schuld entstanden war.
Sie kommt schreiend zu Jesus: "Erbarme dich über mich, Herr, du Sohn Davids!" Zwölf Männer rennen zum Herrn, so laut schreit sie. Doch Jesus antwortet ihr – kein Wort. Wenn wir laut sind, viel Lärm machen, schweigt Gott. Erst wenn wir still werden, kann er reden. Die Frau nennt Jesus "Sohn Davids", verwendet religiöse Begriffe ohne echte Beziehung zu Gott. Du kannst Gott nicht mit frommen Phrasen gefallen, wenn keine lebendige Beziehung da ist.
Dann kommt sie näher, fällt vor ihm nieder: "Herr, hilf mir." Nicht mehr schreiend, sondern ruhig. Doch Jesus prüft weiter: "Es ist nicht recht, das Brot der Kinder den Hunden vorzuwerfen." Hart? Ja. Aber er prüft ihren Glauben, ihre Beständigkeit. Die Gnade Gottes ist nicht billig.
Ihre Antwort ist der Wendepunkt: "Ja, Herr" – sie gibt ihm recht. Sie erkennt ihre Unwürdigkeit an. Aber dann sagt sie etwas Wunderbares: "Auch die Hunde essen von den Brotsamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen." Sie hat verstanden, dass schon die Nähe zu Gottes Kindern Segen bringt, dass am Tisch des Vaters genug für alle ist.
Lässt auch du dich von der Liebe Gottes prägen, um anderen weiterzugeben, was du empfangen hast?
