Nehemia stand vor einer zerbrochenen Stadt. Der Tempel war wiederhergestellt, das Volk hatte sich neu eingefunden – aber die Mauer lag in Trümmern. Viele hatten sich in Babylon eingerichtet, ein neues Leben aufgebaut, Gottesdienste gestaltet. Warum sollten sie zurückkehren zu einer Ruine? Warum das Komfortable aufgeben für Schweiß, Tränen und harte Arbeit?
Doch genau hier zeigt sich etwas Entscheidendes über Gott: Er lebt nicht in Reaktion auf Menschen. Während wir oft von außen nach innen leben – reagierend, instinktiv, abhängig von dem, was andere tun – lebt Gott von innen nach außen. Das Buch Esther zeigt uns Gottes Fürsorge für jene, die in Babylon blieben, ohne dass sein Name auch nur einmal erwähnt wird. Gott handelt aus seinem Wesen heraus, nicht weil wir es verdienen.
Wenn du Gott anbetest und über ihn nachdenkst, wächst nicht nur Gotteserkenntnis – es wächst Selbstkenntnis. Du spiegelst dich nicht mehr an anderen Menschen oder an Tieren wie in früheren Zeiten, sondern am Wesen Gottes selbst. Jesus sprach vom Splitter im Auge des Bruders und vom Balken im eigenen Auge. Das Urteil mag richtig sein, aber ohne Selbstkenntnis kommt die Botschaft nicht an. Wie schön wäre es, wenn du den Balken erkennst, ihn entfernst und dann dem Bruder hilfst!
Die größte Frage ist nicht: Wie komme ich in den Himmel? Sondern: Wie komme ich durch dieses Erdenleben im Himmel? Wie kann Gott durch dich andere Menschen bereichern? Dazu brauchst du Selbstkenntnis, die dich lebensfähig macht.
Nehemia betete drei Monate lang für eine Möglichkeit. Als der König ihn fragte, betete er noch einmal – mitten im Gespräch. Beten ohne Unterlass bedeutet nicht ständiges Bitten, sondern das Verweilen in Gottes Gegenwart, sich seiner bewusst zu sein. In Nehemia 4 siehst du, wie er bei der Arbeit immer wieder zu Gott ruft.
Es gibt zwei Städte: Jerusalem und Babylon. Beide stehen für Kulturarbeit, für das Bearbeiten dessen, was Gott geschenkt hat. Aber Jerusalem wird in Abhängigkeit von Gott gebaut, Babylon unabhängig von ihm. Du bist Baumeister und Kämpfer. Die Frage ist: Womit baust du? Mit Holz, Heu und Stoppeln oder mit Gold? Was ist dein konstruktiver Beitrag im Reich Gottes?
Vor Grundlegung der Welt bist du erwählt, dem Bild seines Sohnes gleich zu werden, Teilhaber der göttlichen Natur zu sein. Das darfst du lernen und austragen – als Baumeister an Jerusalem, in Abhängigkeit von Gott.
