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Die Vielfalt der Gemeinde

Samstag, 19. Januar 2013
58 Minuten

Die Vielfalt der Gemeinde

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Wir leben in einer Zeit, in der wir rundherum abgesichert sind – Krankenversicherung, Rentenversicherung, Unfallversicherung. Wir sind gar nicht mehr gewöhnt, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Doch was passiert, wenn plötzlich eine Notsituation entsteht? Sind wir überhaupt vorbereitet, einander zu helfen?

Diese Frage führt uns direkt zum Kern dessen, was Gemeinde eigentlich bedeutet. Die Bibel verwendet eine erstaunliche Vielfalt an Bildern, um uns zu zeigen, was Gemeinde ist – wie ein Kaleidoskop oder ein Puzzle mit vielen Teilen, die erst zusammen ein vollständiges Bild ergeben.

Im Alten Testament beginnt die Geschichte mit Abraham, einem einzelnen Menschen ohne Kinder, der auf Gottes Ruf hin alles verlässt. Aus dieser einen Person entsteht eine Familie, aus der Familie ein ganzes Volk. Gott sieht immer beides: den einzelnen Menschen – auch dich – und gleichzeitig das große Ganze. Dann kommt der Tempel, die Stiftshütte, der Berg Zion. Dieser Berg war ursprünglich der Berg Moria, wo Abraham bereit war, seinen einzigen Sohn zu opfern. Es war eine Opferstätte, kein prächtiges Gebäude. Wenn wir vom Berg Zion sprechen, geht es nicht um äußere Pracht, sondern um den Ort der Anbetung, wo die Herrlichkeit Gottes wohnt.

Überraschenderweise verwendet Jesus selbst nie diese traditionellen Bilder. Stattdessen spricht er vom Reich Gottes in sieben Gleichnissen in Matthäus 13: vom Sämann, vom Unkraut im Weizen, vom Senfkorn, vom Sauerteig, vom verborgenen Schatz, von der kostbaren Perle, vom Fischfang. Jesus konzentriert sich nicht auf äußere Formen, sondern auf unser Verhalten – untereinander und Gott gegenüber. Er gibt seinen Jüngern ein neues Gebot: "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Daran wird man erkennen, dass ihr meine Jünger seid."

Das Neue Testament fügt weitere faszinierende Bilder hinzu: Die Gemeinde ist der Tempel Gottes – nicht aus Steinen, sondern aus Menschen. Sie ist der Leib Christi, wo jedes Glied wichtig ist. Sie ist die Braut Christi mit dieser innigen Beziehung voller Liebe und Wertschätzung. Sie ist die Herde, die einen Hirten braucht. Sie ist das Ackerfeld Gottes, das Mitarbeiter benötigt. Sie ist ein Leuchter in der Dunkelheit, Licht und Salz der Welt. Sie ist eine Baustelle aus lebendigen Steinen, zusammengehalten durch den Mörtel der Liebe.

Diese Vielfalt der Bilder zeigt: Gemeinde ist nicht einseitig. Wir sind unterschiedlich, nicht wie Ziegelsteine alle gleich. Wenn wir diese Vielfalt leben lernen, werden wir die Fülle Gottes auf Erden sein – mit der gleichen Kraft, mit der Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. Das liegt nicht an Gott, sondern daran, ob wir dem Heiligen Geist Freiraum geben, sich zu entfalten. Der Satan wird versuchen, Keile zwischen uns zu treiben. Es liegt an uns, ob wir durch den Mörtel der Liebe zusammenhalten.

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