In Lukas 15 lesen wir von einem Vater und seinen zwei Söhnen – eine Geschichte, die Jesus den Pharisäern, Schriftgelehrten, Zöllnern und Sündern erzählte, weil sie alle eines nicht verstanden: die unfassbare Liebe Gottes.
Der jüngere Sohn fordert sein Erbe – praktisch eine Aufkündigung der Sohnschaft. Er zieht in ein fernes Land und verprasst alles in einem zügellosen Leben. Doch der Vater setzt keine Schranke, er lässt ihn ziehen. Genau so verhält sich Gott mit Menschen, die sich bewusst gegen ihn entscheiden. Er zwingt niemanden. Aber das Ergebnis ist immer dasselbe: Am Ende bleibt nur Elend und Jammer. Der Sohn landet als Schweinehirt – für einen Juden der absolute Tiefpunkt.
Doch dann geschieht etwas Entscheidendes: Er geht in sich. Nicht die falsche Reue, die nur bedauert, erwischt worden zu sein, sondern echte Reue. Er erkennt: "Ich habe gegen Gott und meinen Vater gesündigt." Er übernimmt Verantwortung, gibt nicht anderen die Schuld. Das ist der Wendepunkt.
Was dann folgt, ist eine der ergreifendsten Szenen der Bibel: Der Vater sieht seinen Sohn von weitem und rennt ihm entgegen – das griechische Wort beschreibt ein Laufen wie im Wettkampf. Er fällt ihm um den Hals, küsst ihn. Kein Vorwurf kommt über seine Lippen. Stattdessen lässt er das beste Kleid bringen, einen Ring, Sandalen – alle Zeichen der Würde der Sohnschaft. Er macht aus einem kaputten Leben etwas völlig Neues. Das ist Rechtfertigung.
Doch da ist noch der ältere Sohn. Er kommt vom Feld, hört die Feier und wird zornig. "So viele Jahre diene ich dir, nie habe ich ein Gebot übertreten, und mir hast du nie ein Fest gegeben!" In wenigen Worten charakterisiert Jesus hier das pharisäische Wesen: äußerlich tadellos, innerlich voller Verachtung. Er nennt seinen Bruder nicht "mein Bruder", sondern "dieser dein Sohn". Für ihn war sein Bruder gestorben, abgeschrieben.
Auch hier zeigt sich die Liebe des Vaters: Er geht hinaus, bittet ihn hereinzukommen. Er sagt: "Mein Kind, alles was mein ist, ist auch dein." Der ältere Sohn hatte jederzeit ein Fest feiern können, aber aus lauter Eifer für seine Arbeit nie daran gedacht. Er war lau geworden, hatte das Wichtigste außer Acht gelassen: Barmherzigkeit, Glaube, Liebe.
Hier stellt sich die Frage an jeden von uns: Bist du wie der jüngere Sohn, der sein Leben verprasst hat? Oder wie der ältere, der meint, alles richtig gemacht zu haben, aber dessen Herz hart geworden ist? Die Liebe des Vaters gilt beiden. Gott will veränderte Menschen, keine religiösen Menschen, die nur Regeln befolgen. Er will Menschen, die von innen heraus neu werden.
Paulus schreibt in Römer 3,23: "Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes." Ob Zöllner oder Pharisäer – Jesus wollte alle erreichen. Und seine Botschaft gilt auch dir heute: Lass dich mit Gott versöhnen. Die Liebe des Vaters ist so groß, dass er beiden Söhnen entgegengeht – dem, der sein Leben verspielt hat, und dem, der hartherzig geworden ist.
