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Die Heilung des Blindgeborenen

Samstag, 25. Januar 2014
46 Minuten

Die Heilung des Blindgeborenen

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Jesus begegnet einem Mann, der von Geburt an blind ist. Die Jünger stellen sofort die Frage, die damals üblich war: Wer hat gesündigt – er oder seine Eltern? Doch Jesus gibt eine überraschende Antwort: Weder noch. Dieser Mann ist blind, damit die Werke Gottes an ihm offenbar werden.

Was Jesus dann tut, klingt medizinisch absurd: Er spuckt auf die Erde, macht einen Brei und streicht ihn dem Blinden auf die Augen. Dann schickt er ihn zum Teich Schiloah. Der Mann geht hin, wäscht sich – und kann plötzlich sehen. Ein Wunder, das niemand je zuvor erlebt hat.

Doch die eigentliche Geschichte beginnt erst jetzt. Johannes widmet nur zwei Verse der Heilung selbst, aber 39 Verse den Reaktionen der Menschen. Und genau darin liegt die Herausforderung für uns: Wie reagieren wir, wenn Jesus in unser Leben tritt?

Da sind zunächst die Jünger. Sie haben ein theologisches Prinzip erkannt – manchmal kommt Krankheit durch Sünde. Das stimmt sogar, wie wir im Fall von Miriam im Alten Testament sehen. Aber sie machen den Fehler, Gott auf dieses eine Muster zu reduzieren. Sie wollen Jesus schon die Antwort vorgeben: "Sag uns nur noch, wer gesündigt hat – er oder die Eltern?" Doch Gott lässt sich nicht in unsere vorgefertigten Schubladen pressen.

Dann sind da die Eltern. Sie wissen genau, was geschehen ist. Ihr Sohn, der sein Leben lang blind war und am Straßenrand betteln musste, kann plötzlich sehen. Aber als die Pharisäer sie befragen, weichen sie aus. "Er ist alt genug, fragt ihn selbst." Warum? Aus Angst. Angst, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden. Angst, ihre Freunde zu verlieren. Sie haben die Möglichkeit, Gott zu erkennen – aber die Anerkennung ihrer Umgebung ist ihnen wichtiger. Eine tragische Entscheidung mit ewigen Konsequenzen.

Die Pharisäer wiederum haben ein anderes Problem. Sie sind gebildet, fromm, theologisch versiert. Aber sie haben ein starres System aufgebaut: Am Sabbat darf nicht geheilt werden. Als Jesus genau das tut, stehen sie vor einer Wahl: Entweder ihr System über Bord werfen oder Gott ablehnen. Sie entscheiden sich für ihr System. "Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält", urteilen sie. Ihr religiöses Schema ist ihnen wichtiger als die Realität Gottes, die direkt vor ihnen steht.

Und dann ist da der geheilte Mann selbst. Er macht alles richtig. Zuerst vertraut er Jesus vollkommen, obwohl die Anweisung unsinnig erscheint. Straßendreck auf die Augen und dann zum Teich gehen? Medizinisch absurd. Aber er tut es einfach. Später, als Jesus ihn fragt: "Glaubst du an den Sohn Gottes?", diskutiert er nicht lange herum. Er fragt: "Wer ist es, Herr?" Und als Jesus sich zu erkennen gibt, antwortet er schlicht: "Ich glaube, Herr" – und fällt anbetend vor ihm nieder.

Am Ende der Geschichte spricht Jesus von geistlicher Blindheit. Wir alle sind von Geburt an blind für die Realität Gottes. Wir bilden uns ein, wir kämen zurecht, wir wüssten, was richtig und falsch ist. Doch irgendwann stellen wir fest: So klar sehen wir gar nicht. Menschen wechseln von einer Ideologie zur anderen, von einem Partner zum nächsten, von einem Job zum anderen – und fühlen sich innerlich immer noch leer. Warum? Weil sie Gott nicht erkannt haben.

Die Pharisäer fragen Jesus: "Sind denn auch wir blind?" Seine Antwort ist erschütternd: "Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: Wir sind sehend – deshalb bleibt eure Sünde." Gott kann uns erst die Augen öffnen, wenn wir eingestehen, dass wir geistlich blind sind.

Diese Geschichte aus Johannes 9 stellt dich vor mehrere Herausforderungen: Erkennst du deine geistliche Blindheit? Bist du bereit einzugestehen, dass du Gott brauchst, um zu verstehen, wofür du lebst? Wenn du mit Krankheiten oder Problemen kämpfst – bringst du sie zu Jesus? Er kann eingreifen, wenn er will. Und wenn Jesus dir begegnet – wie reagierst du? Reduzierst du ihn auf deine theologischen Vorstellungen wie die Jünger? Lehnst du ihn ab aus Angst vor den Reaktionen anderer wie die Eltern? Oder vertraust du ihm einfach wie der geheilte Blinde?

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