Die Sommerferienwochen bringen unsere Gemeinde immer in unterschiedlicher Zusammensetzung zusammen – man weiß nie genau, wer da ist und welche Dienste getan werden können. Doch wie dankbar dürfen wir sein, dass wir regelmäßig Gottesdienst feiern können, während anderswo Gemeinden leer bleiben!
Das zweite Kapitel des Buches Rut führt uns mitten hinein in die Erntezeit – eine intensive Phase von sieben bis acht Wochen, in der das ganze Dorf auf die Felder zog. Von der Gerstenernte nach dem Passahfest bis zur Weizenernte um Pfingsten herum war jede Hand gefragt. Die Arbeit war klar aufgeteilt: Schnitter mit ihren Sicheln, die das Getreide in der richtigen Höhe schnitten. Knechte, die die Halme zu Garben banden und zu Haufen aufstellten. Ein Aufseher, der die Arbeit koordinierte und Konflikte schlichtete. Mägde und Knechte für die Nachlese. Und Wasserträger, die für Erfrischung sorgten.
Genau dieses Bild gebraucht Jesus, als er zu seinen Jüngern sagt: "Die Ernte ist groß, aber es sind wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussendet" (Matthäus 9,37-38). Die Arbeit im Reich Gottes gleicht dieser Erntearbeit – und wie damals ist die ganze Gemeinde gerufen, nicht nur einzelne.
So wie der Schnitter seine Sichel immer wieder schärfen musste, so muss auch der Prediger sein Wort am Schleifstein Jesu Christi schärfen und vom Heiligen Geist inspirieren lassen. Wird die Sichel stumpf, kostet die Arbeit unnötig viel Kraft und Körner gehen verloren. Genauso verliert ungeschärftes Predigen seine Wirkung.
Der Aufseher über die Schnitter trägt große Verantwortung – vergleichbar einem Pastor, der Aufgaben verteilt, Konflikte schlichtet und vor Gott Rechenschaft ablegt. Die Knechte, die Garben binden, festigen die Gemeinschaft – durch Liebe, Treue, regelmäßiges Zusammenkommen und praktische Dienste. Die älteren, erfahrenen Arbeiter, die das schützende Dach über den Garbenhaufen errichten, gleichen den Ältesten, die die Gemeinde vor Irrlehren und schädlichen Einflüssen bewahren.
Besonders wertvoll sind die Ährenleser wie Rut – oft unscheinbare, einfache Menschen mit brennenden Herzen, die sich um die Zurückgelassenen kümmern. Sie sammeln mühsam die auf, die liegen geblieben, zertreten oder übersehen wurden, und führen sie zurück in die Gemeinschaft. Sie sind wahre Perlen im Reich Gottes, denn "so wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut" (Lukas 15,7).
Doch die Realität ist ernüchternd: Unsere Gemeinde ist arm an solchen Arbeitern. Wir haben ein schönes Gemeindehaus, Bibeln in allen Formaten, viele begabte Geschwister – aber zu wenige, die aktiv in der Ernte arbeiten. Der chronische Mangel an Mitarbeitern zieht sich durch alle Bereiche.
Das Buch Rut zeigt auch Mängel: Arbeiter, die lieber zu Hause sitzen bleiben. Eltern, die durch ihr Fernbleiben ihren Kindern eine geistliche Hungersnot vorleben. Menschen, die zur Gemeinde kommen, um Neuigkeiten auszutauschen statt zu arbeiten. Knechte, die ihren Dienst vom Verhalten anderer abhängig machen. Doch die Wende kommt, als Naemi zurückkehrt ins Land der Verheißung – und Rut folgt ihr.
Welche Gaben hat Gott dir anvertraut? Wo ist dein Platz in dieser großen Ernte? Was ist deine Berufung im Reich Gottes? Diese Fragen dürfen wir uns heute stellen – denn die Ernte ist groß, aber die Arbeiter sind wenige.
