Jesus verließ den Tempel in Jerusalem, und seine Jünger zeigten ihm voller Bewunderung die prächtigen Gebäude. Der Tempel war das größte sakrale Bauwerk der antiken Welt - aus hellem Kalkstein, innen mit Marmor und Mosaik verziert, die Ostfassade mit Goldplatten überzogen. Wenn morgens die Sonne aufging, reflektierten die Strahlen so stark, dass der ganze Tempel in hellem Licht zu erstrahlen schien. Doch Jesus sagte etwas Unfassbares: "Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird."
Später auf dem Ölberg stellten die Jünger ihm vier entscheidende Fragen: Wann wird der Tempel zerstört? Was wird das Zeichen sein? Wann kommst du wieder? Wann endet die Weltzeit? Matthäus 24 beantwortet diese Fragen und beschreibt zwei völlig verschiedene Ereignisse - die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. und die Zeichen der Wiederkunft Christi. Beide erfüllten und erfüllen sich buchstäblich.
Doch wann beginnt der "Anfang vom Ende"? Jesus spricht von Geburtswehen - ein Begriff, den die Gelehrten kannten. Jesaja 66,7-8 verbindet diese Wehen mit einem einmaligen Ereignis: Ein Land wird an einem Tag geboren, ein Volk auf einmal. Die Wiedergeburt des jüdischen Staates Israel ist der Schlüssel. Seit etwa 1882 kehrten Juden in ihre Heimat zurück, 1948 wurde der Staat gegründet.
Und tatsächlich: Seit dieser Zeit haben sich die Zeichen dramatisch erfüllt. Der Erste Weltkrieg 1914 - erstmals waren alle Kontinente involviert, 17 Millionen Tote. Der Zweite Weltkrieg mit 70 Millionen Opfern. Seit 1882 gab es weltweit 334 Revolutionen. Hungersnöte erreichten nie dagewesene Ausmaße - allein in der Ukraine 1932/33 starben 6 Millionen Menschen, in China während der Kulturrevolution 43 Millionen. Erdbeben, Seuchen wie AIDS, internationaler Terrorismus - alles Phänomene, die in dieser Intensität neu sind.
Besonders betroffen sind Christen. Die systematische Verfolgung durch Kommunisten und Islamisten kostete mehr Leben als in den 1900 Jahren zuvor. 80-120 Millionen Christen werden heute verfolgt. Gleichzeitig nimmt Gesetzlosigkeit überhand, moralischer Zerfall prägt die Gesellschaft, falsche Propheten verführen viele.
Doch mitten in diesen Schrecken ruft Jesus auf: "Wer ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden" (Matthäus 24,13). Halte das Band zu deinem Herrn fest gespannt, spüre seinen Zug, lass nicht los. Und das Evangelium? Es erreicht trotz allem die ganze Welt - durch moderne Technik sogar dort, wo Missionare keinen Zugang haben. Wann Jesus kommt, wissen wir nicht. Aber dass er kommt, ist gewiss.
