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Die Berufung Abrahams

Sonntag, 19. Januar 2020
49 Minuten

Die Berufung Abrahams

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Gott sprach zu Abraham: „Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde." Fünf Generationen nach der Sprachverwirrung in Babel beginnt Gott ein völlig neues Kapitel. Babel – ursprünglich „Bab El", das Tor zu Gott – war der Versuch der Menschen, sich selbst den Weg zu Gott zu bahnen. Unter Nimrod, dem ersten Gewaltherrscher, bauten sie im Land Schinear, dem Land der Totengebeine, eine Stadt auf den Überresten der vorsintflutlichen Zivilisation. Gott sah darin Rebellion und verwirrte ihre Sprachen.

Mit Abraham fordert Gott etwas radikal Anderes: „Geh für dich" – übernimm Verantwortung für dich selbst vor Gott. Nicht deine Eltern, nicht dein Ehepartner, nicht der Prediger – du bist für dich selbst vor Gott verantwortlich. Gott fordert Abraham auf, Ur zu verlassen, diese kultivierte, reiche Stadt mit ihrem gewaltigen Tempel, wo zum ersten Mal in der Geschichte Menschen geopfert wurden. „Verlass alle deine religiösen Vorstellungen", sagt Gott damit. „Deine religiösen Bemühungen haben keinen Wert vor mir."

Abraham soll seine Verwandtschaft verlassen, diesen Druckkessel der Erwartungen, und das Haus seines Vaters, der ihn als erhabenen Priester in Ur sehen wollte. Erst als Terach stirbt, zieht Abraham mit 75 Jahren – im Rentenalter – ins verheißene Land. Dort wird er Hirte und Nomade, ein Fremdling. Denn Gott will ihm zeigen: Es geht nicht um das irdische Reich, sondern um die Stadt, die Gott selbst erbaut hat.

Und dann kommen Gottes herrliche Zusagen: „Ich will dich zu einem großen Volk machen" – obwohl Abraham alt und Sara unfruchtbar ist. Gott setzt genau an unserem schwachsten Punkt an. „Ich will dich segnen" – nicht durch Bodenschätze oder Macht, sondern von oben. „Ich will deinen Namen groß machen" – kein anderer Name aus Abrahams Zeit ist heute noch bekannt. Und die größte Bestimmung: „Werde ein Segen." Nicht nur gesegnet sein, sondern eine Quelle des Segens für andere werden.

„Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen" – dieser Vers ist ein Schlüssel. Gott macht seinen Segen davon abhängig, wie Menschen mit seinem Volk umgehen.

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