Jesus tritt durch verschlossene Türen in die Mitte seiner verängstigten Jünger und spricht ihnen zu: "Friede sei mit euch." Diese Szene aus Johannes 20 zeigt eine tiefgreifende Wahrheit – die Begegnung mit dem auferstandenen Christus gibt echte Sicherheit, gerade dort, wo Angst und Zweifel regieren.
Die Jünger hatten sich aus Furcht vor den Juden versteckt. Ihr Meister war gekreuzigt worden, und sie fürchteten um ihr Leben. Diese Menschenfurcht war nichts Neues – wir sehen sie überall in den Evangelien: Eltern eines Geheilten lügen aus Angst vor Ausschluss aus der Synagoge (Johannes 9), führende Männer verbergen ihren Glauben aus Furcht vor den Pharisäern (Johannes 12), Herodes lässt Johannes den Täufer aus Angst vor seinen Gästen enthaupten (Matthäus 14). Der Sprücheschreiber bringt es auf den Punkt: "Menschenfurcht bringt zu Fall. Wer sich aber auf den Herrn verlässt, wird beschützt" (Sprüche 29,25).
Menschenfurcht zeigt Unglauben. Sie offenbart, dass wir keine feste Identität in Christus haben, dass wir abhängig sind von der Meinung anderer. Jesus fordert uns in Lukas 12,4-5 heraus: Fürchtet nicht die, die den Leib töten können, sondern fürchtet Gott. Gottesfurcht bedeutet, ihn als Schöpfer anzuerkennen, von dem unser Leben jeden Augenblick abhängt – nicht in lähmender Angst, sondern in liebevoller Nachfolge.
Doch Jesus lässt uns nicht in unserem Unglauben. Er tut alles, damit wir glauben können. Er zeigt den Jüngern seine Hände und seine Seite – die Male seines Todes. Besonders Thomas, der Zweifler, erhält eine persönliche Begegnung. Acht Tage später kommt Jesus erneut, nur für ihn, und fordert ihn auf: "Reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite. Sei nicht ungläubig, sondern gläubig." Thomas' Antwort ist ein Bekenntnis: "Mein Herr und mein Gott!"
Zweifel sind menschlich. Jeder von uns kennt Momente, wo wir fragen: "Gott, bist du noch da?" Doch die Antwort auf Zweifel liegt nicht in der Beantwortung aller offenen Fragen, sondern in der Begegnung mit Gott selbst. Wie Dietrich Bonhoeffer kurz vor seinem Tod dichtete: "Nie will ich an dir verzweifeln, Du mein Herr und Gott. Immer wirst du größer sein als das, was mich bedroht."
Jesus gibt nicht nur Frieden, er gibt auch einen Auftrag: "Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Johannes 20,21). Deine Zweifel verändern nicht die Wahrheit des Evangeliums. Glaube zeigt sich darin, dass wir trotz Unsicherheit Schritte des Glaubens wagen. Die wichtigste Frage bleibt: Glaubst du das? Nicht nur wissen, sondern glauben – dass Jesus gestorben und auferstanden ist. Diese Begegnung verändert alles.
