Wenn wir heute um uns schauen, stellen wir fest: Die Menschen halten nicht viel von Gott – und noch weniger von Gemeinde. Doch gerade deshalb tragen wir eine besondere Verantwortung. Wir müssen uns fragen: Was bedeutet mir Gemeinde wirklich? Und kann ich Gemeinde und Gott dienen überhaupt voneinander trennen?
In Kappadokien stehen bis heute Kirchen, die Christen 100 Jahre nach Christus in Felsen gehauen haben. Sie mussten sich verstecken, ihr Leben stand auf dem Spiel. Doch sie brauchten einen Anbetungsort. Der Psalm "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses" war für sie keine Floskel – es war Überzeugung, für die sie bereit waren zu sterben. Heute stehen Christen in Syrien und im Irak vor derselben Wahl: Glauben oder Leben. Viele entscheiden sich für ihren Glauben.
Genügt es uns, einfach in die Kirche zu gehen? Das Haus Gottes ist ein Anbetungsort – ein Ort der Ehrfurcht, nicht der Beliebigkeit. Wenn wir die Geschichte der Gemeinde betrachten, sehen wir verschiedene Etappen: Vor der Sintflut lebten die Menschen gottlos, bis nur noch Noah und seine Familie Gott treu blieben. Dann kam Abraham – die Zeit der Hausgemeinden. Gott rief ihn heraus aus einer wohlhabenden, aber götzendienerischen Gesellschaft. Abraham war kein Superheiliger, er hatte Kämpfe und Anfechtungen wie wir auch. Doch sein Glaube und Vertrauen machten ihn aus. Als Gott ihn aufforderte, seinen lang ersehnten Sohn Isaak zu opfern, war Abraham gehorsam – und Gott griff ein.
Die dritte Etappe begann, als Gott ein ganzes Volk erwählte: Israel. Am Sinai schloss er einen Bund mit ihnen, wie ein Bräutigam mit seiner Braut. Er gab ihnen sein Gesetz – nicht als Zaun, sondern als Schutz und Rahmen. Das Heiligtum in der Wüste war ein Abbild des himmlischen Jerusalem, ein Ort der Anbetung und des Gottesverständnisses.
Dann kam die vierte Periode: Jesus Christus. Gott wurde Mensch, opferte seinen Sohn für uns. Diese Erlösung gilt nicht nur einer Familie oder einem Volk – sie gilt allen Menschen, die glauben. Paulus bringt es im Epheserbrief auf den Punkt: "Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben" (Epheser 2,8-10). Wir sind erwählt, erlöst, beschenkt – zum Lob seiner Herrlichkeit.
Unser Glaube wird nicht in Momentaufnahmen bewiesen, sondern im ganzen Leben – in Anfechtungen, Problemen, aber auch im Wohlstand. Wir sind geschaffen zum Lob Gottes, nicht zum bloßen Existieren. Das ist Gemeinde.
