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Die Barmherzigkeit Gottes

Samstag, 5. Februar 2011
31 Minuten

Die Barmherzigkeit Gottes

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In Amerika um 1850 stand ein Mann vor Gericht – und der Richter war sein ehemaliger Freund. Der Richter verhängte die härteste mögliche Geldstrafe, verließ dann seinen Richterstuhl und bezahlte die gesamte Strafe selbst. Gerechtigkeit und Barmherzigkeit vereint in einem einzigen Moment – genau so begegnet uns Gott.

Johannes 3,16 zeigt uns: Gott liebte die Welt so sehr, dass er seinen einzigen Sohn gab. Das ist das Unbegreifliche an unserem Gott – seine Barmherzigkeit klammert seine Gerechtigkeit nicht aus, sondern unterstreicht sie noch.

Barmherzigkeit – schon das Wort klingt warm, gefüllt mit Liebe und Vergebung. Es bedeutet nicht nur Mitfühlen, sondern aktives Handeln: Gott kommt uns in unserer Not entgegen. Wie Psalm 103 sagt: Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn zeigt uns diesen barmherzigen Vater besonders eindrücklich. Wenn wir es durch die Brille der damaligen orientalischen Kultur betrachten, wird die Dramatik erst richtig deutlich: Der jüngere Sohn fordert sein Erbe – im Grunde wünscht er sich damit den Tod seines Vaters. Eine unvorstellbare Schande! In dieser Ehrenkultur hätte der Vater allen Grund gehabt, den Sohn zu verstoßen, ja, nach 5. Mose 21 hätte dieser Sohn sogar den Tod verdient.

Doch dieser Sohn – das sind wir. Seit dem Garten Eden haben wir Gott den Rücken gekehrt, nach Römer 5,12 kam durch Adam die Sünde in die Welt. Wir leben, als wünschten wir uns, Gott wäre tot. Die Menschheit versucht, die Welt ohne ihren Schöpfer zu erklären. Welche Verachtung! Und doch lässt Gott uns ziehen, nimmt die Schande auf sich – das ist bereits Barmherzigkeit.

Der Sohn verschleudert alles in einem fernen Land, landet schließlich bei den Schweinen – tiefer konnte ein Jude nicht sinken. Satan malt uns eine verlockende Welt vor Augen, doch am Ende führt der Weg ohne Gott nur abwärts. Römer 3,23 sagt klar: Alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes.

Für die damaligen Zuhörer war hier die Geschichte eigentlich zu Ende. Der Sohn konnte unmöglich zurückkehren – die Dorfgemeinschaft hätte ihn gesteinigt. Doch nicht bei unserem Gott! Der Vater steht Tag für Tag an der Schwelle, hält Ausschau nach seinem Sohn. Und als er ihn von weitem sieht, heißt es in Lukas 15,20: Er wurde innerlich bewegt – wörtlich: seine Eingeweide drehten sich um vor Mitleid. Dieses Wort wird in der Bibel nur für Gott verwendet! Gott hat Herzschmerzen wegen uns.

Dann rennt dieser würdevolle Vater – ein absolutes Tabu in dieser Kultur! Er hebt sein Gewand, läuft seinem Sohn entgegen, fällt ihm um den Hals. Alle guten Manieren sind vergessen. "Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden!" Epheser 2,4-5 bringt es auf den Punkt: Gottes Erbarmen ist unbegreiflich groß – er hat uns zusammen mit Christus lebendig gemacht.

So steht Gott heute an der Himmelspforte und wartet auf dich. Wie weit muss er dich sinken lassen, bis du erkennst: Bei meinem Vater ist das wahre Leben? Nimm sein Angebot an – lauf in seine weit geöffneten Arme, die am Kreuz für dich ausgestreckt wurden!

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