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Der reiche Jüngling

Sonntag, 5. März 2017
30 Minuten

Der reiche Jüngling

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Jesus liebt mich – dieses einfache Kinderlied sollte eigentlich aus vollem Herzen kommen. Doch wie oft singen wir es nur halbherzig, während Kinder mit klarer, lauter Stimme ihre Gewissheit ausdrücken? Genau mit diesem Kinderherzen, mit dieser einfachen Annahme, müssen wir uns Gott nähern.

In Matthäus 19 begegnet uns ein außergewöhnlicher junger Mann. Er war reich, einflussreich, wahrscheinlich Mitglied des Hohen Rates – eine Position, die normalerweise nur ältere Männer innehatten. Gut ausgebildet im Gesetz, vom Volk geachtet, stand er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Und doch war er suchend. Er hatte beobachtet, wie Jesus die Kinder segnete, und kam auf die Knie vor ihm: "Guter Meister, was soll ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen?"

Jesus stellt eine Gegenfrage: "Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein." Damit führt er den jungen Mann zur entscheidenden Erkenntnis: Wenn nur Gott gut ist, was können wir Menschen dann Gutes tun, um das ewige Leben zu verdienen? Wir können dem hohen Maßstab Gottes nicht genügen. Das ewige Leben – dieses erfüllte Leben in der Qualität Gottes – können wir nicht durch Taten erwerben.

Als Jesus die Gebote aufzählt, antwortet der junge Mann: "Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend an. Was fehlt mir noch?" Er hatte eine Liste mit guten Taten, die er abhakte. Und Jesus, der ihn anblickt und ihn lieb gewinnt – eine seltene Formulierung in der Bibel – sagt: "Eines fehlt dir noch. Verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen und folge mir nach."

Da ging er betrübt davon, denn er hatte viele Güter. So nah dran am ewigen Leben, und doch konnte er nicht loslassen. Sein Besitz war ihm wichtiger als Gott. Aus historischen Quellen wissen wir: Dieser Hohe Rat sprach wenige Monate später das Todesurteil über Jesus. Vierzig Jahre danach ging im Krieg sein ganzer Besitz in Flammen auf.

"Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt", sagt Jesus zu seinen entsetzten Jüngern. Aber dann kommt die befreiende Wahrheit: "Bei den Menschen ist dies unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich."

Wir müssen lernen loszulassen – wie ein müdes Kind, das seine Spielsachen fallen lässt und sich in die Arme der Mutter wirft. Der Unterschied zwischen einem Fenster und einem Spiegel? Beide sind aus Glas, aber der Spiegel hat einen silbernen Anstrich. Siehst du, was Silber im Leben ausmachen kann? Man verliert den Blick zum Himmel und zu den Mitmenschen. Man sieht nur noch sich selbst.

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