In Sacharja 11 findest du eine der faszinierendsten Prophezeiungen über den kommenden Messias – eine Vorhersage, die Jesus selbst erfüllte, als er sagte: "Ich bin der gute Hirte." Doch der alttestamentliche Hintergrund dieser Aussage ist weitaus tiefgründiger, als die meisten beim ersten Lesen erfassen.
Das Bild des Hirten durchzieht die gesamte Bibel. Von Abel, dem ersten Hirten der Menschheit, über die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob bis hin zu König David – Hirten prägten die Geschichte Israels. Gott selbst wird in den Psalmen wiederholt als Hirte Israels bezeichnet: "Du Hirte Israels, höre, der du Josef führst wie Schafe" (Psalm 80,2). Wenn Jesus also von sich als dem guten Hirten spricht, beansprucht er ein Bild, das ausschließlich für Gott selbst verwendet wurde.
Mehrere alttestamentliche Propheten kündigten den Messias ausdrücklich als guten Hirten an. Jesaja 40 verkündet: "Gott, der Herr kommt mit Macht... Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte." Jeremia 23 spricht von einem kommenden König aus dem Geschlecht Davids, dessen Name "der Herr, unsere Gerechtigkeit" sein wird – eine klare Gleichsetzung des Messias mit Gott selbst. Hesekiel 34 verurteilt die schlechten Hirten Israels und verspricht: "Ich selbst will nach meinen Schafen suchen... Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, meinen Knecht David."
Doch Sacharja 11 geht noch weiter. Der Prophet erhält den Auftrag, symbolisch einen guten Hirten zu spielen – eine prophetische Handlung, die das erste Kommen Jesu vorausschattete. Dieser gute Hirte kommt zu den "Schlachtschafen", einem Volk, das von seinen eigenen Führern ausgebeutet wird. Er nimmt zwei Stäbe: "Huld" und "Verbindung" – Symbole für Gottes liebevolle Fürsorge und seinen Plan, Israel zu sammeln und wiederherzustellen.
Die erschütternde Wendung kommt, als dieser gute Hirte seinen Lohn fordert. Was erhält er? Dreißig Silberlinge – den Preis für einen toten Sklaven. Diese Summe war keine Anerkennung, sondern eine Beleidigung. Es wäre ehrenvoller gewesen, ihm gar nichts zu geben. Gott selbst kommentiert sarkastisch: "Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Preis, dessen ich von ihnen wert geachtet worden bin."
Diese Prophezeiung erfüllte sich buchstäblich, als Judas Jesus für genau dreißig Silberlinge verriet. Die Hohenpriester nahmen das Geld aus dem Tempelschatz – Geld, das eigentlich nur für Opfertiere bestimmt war. Unwissentlich kauften sie damit das ultimative Opfer für die Sünde der Welt. Nach Jesu Tod warf Judas das Geld zurück in den Tempel, und die Priester kauften davon den Acker des Töpfers – genau wie Sacharja es vorhergesagt hatte.
Die Verwerfung des guten Hirten hatte katastrophale Folgen. Sacharja beschreibt eine vollständige Verwüstung des Landes von Norden nach Süden. Diese Prophezeiung erfüllte sich 70 n.Chr., als die Römer Jerusalem zerstörten. Über eine Million Juden wurden getötet, der Tempel niedergebrannt. Jesus selbst hatte dies vorausgesagt und geweint: "Wenn doch auch du erkannt hättest, was zu deinem Frieden dient!" Die Gläubigen jedoch, die auf Jesu Warnung hörten, flohen rechtzeitig nach Pella und wurden bewahrt.
Weil Israel den wahren Hirten verwarf, ließ Gott zu, dass ein falscher Hirte kam – ein "törichter Hirte", der die Schafe nicht schützt, sondern verschlingt. Dies erfüllte sich teilweise in falschen Messiassen wie Simon bar Kochba, wird sich aber vollständig im kommenden Antichristen erfüllen.
Diese Prophezeiungen zeigen unmissverständlich: Jesus ist Gott selbst. Der gute Hirte von Sacharja 11 ist derselbe, der in Psalm 23 besungen wird, derselbe, der in Johannes 10 spricht. Seine Verwerfung war keine Überraschung, sondern Teil des göttlichen Plans, der Jahrhunderte zuvor niedergeschrieben wurde.
Die Frage ist: Wie gehst du mit diesem guten Hirten um? Bei Jesus gibt es keine Neutralität. "Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich", sagte er selbst. Du wirst nicht zum Schaf seiner Herde, indem du einfach mitläufst, sondern durch bewusste Entscheidung – durch Buße und Glauben. Und wenn du bereits zu seiner Herde gehörst: Hörst du noch die Stimme deines Hirten? Folgst du seinem Vorbild nach?
Der Gott des Friedens, der unseren Herrn Jesus aus den Toten heraufgeführt hat, den großen Hirten der Schafe – er möge dich völlig ausrüsten zu jedem guten Werk, damit du seinen Willen tust.
