Der Glaube zu Christus und die Liebe zu allen Heiligen
Der Apostel Paulus war ein gewaltiger Beter. Wenn wir seine Briefe lesen, dürfen wir einen Blick in sein Gebetsleben werfen und erkennen, wie er für die Gemeinden betete. Im Epheserbrief schreibt er: "Nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf zu danken für euch." Zwei Dinge sind es, für die Paulus dankt – und das sind im Grunde die Grundeigenschaften eines jeden Christen.
Zuerst dankt Paulus für den Glauben an den Herrn Jesus. Doch dieser Glaube ist präziser, als wir oft denken. Paulus schreibt nicht einfach "Glaube an Gott", sondern Glaube an den "Herrn" Jesus. Das griechische Wort "Kyrios" ist dasselbe Wort, mit dem in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments der Gottesname Jahwe wiedergegeben wird. Paulus macht damit deutlich: Die Epheser glauben daran, dass Jesus Gott ist, dass er der Herr aller Herren, der König aller Könige ist. "Christus Kyrios" – Jesus Christus ist der Herr – das war das Urbekenntnis der neutestamentlichen Gemeinde.
An den Herrn Jesus zu glauben bedeutet mehr, als nur dankbar die Vergebung der Sünden anzunehmen. Es bedeutet, das ganze Leben unter seine Herrschaft zu stellen. Er ist mein Herr, mein König, er weist mir den Weg, er ist meine letzte Instanz, ihm gehört mein Leben.
Das Zweite, wofür Paulus dankt, ist die Liebe zu allen Heiligen. Dieser Glaube an den Herrn Jesus führt zur Liebe zu allen Mitchristen. Du kannst nicht das Haupt haben ohne den Körper, nicht den König ohne sein Königreich, nicht Jesus ohne die Gemeinde. Durch Jesus sind wir verbunden und bleiben verbunden.
Doch diese Liebe ist keine romantische Harmoniesoße. Paulus schreibt später in Epheser 4: "Ertragt einer den anderen in Liebe." Liebe ist mehr als oberflächliche Sympathie – sie ist eine tief verwurzelte Verbundenheit, die auch ertragen kann. Sie hält fest, auch wenn es nicht immer harmonisch zugeht. Sie ist die Bereitschaft, den anderen zu korrigieren, aber auch die Bereitschaft, für ihn zu beten, auch wenn sich die Wege mal trennen.
Die Einheit der Gemeinde können wir nicht herstellen – sie ist ein Geschenk des Heiligen Geistes. Aber wir sollen sie fleißig bewahren. Das Einzige, was uns so unterschiedliche Menschen zusammenhält, ist unsere gemeinsame Treue zu Jesus Christus. Der Glaube an den Herrn Jesus und die daraus strömende Liebe zu allen Heiligen – das sind Zeichen der Gnade Gottes.
