Der Herr redete zu Mose – nicht einfach sprach, sondern redete. Das macht einen entscheidenden Unterschied. Wenn Gott in den fünf Büchern Mose zu Mose spricht, gibt er ihm persönliche Anweisungen. Aber wenn er zu ihm redet, dann übergibt er etwas von bleibender Gültigkeit, etwas das zur göttlichen Ordnung gehört und das Volk Gottes prägen soll.
So geschah es mit dem Aaronitischen Segen in 4. Mose 6,22-27. Gott ordnet durch Mose an, dass Aaron und seine Söhne das Volk mit ganz bestimmten Worten segnen sollen: "Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden."
Die Priester standen dabei nicht über dem Volk, sondern vor Gott. Nach den vollbrachten Opferhandlungen traten sie vor das Heiligtum, mit dem Gesicht zum Volk und dem Rücken zum Heiligtum. Ihre Hände erhoben sie zum Himmel – nicht auf das Volk gerichtet, sondern nach oben, auf Gott hinweisend. Die Handflächen mussten geöffnet und leer sein, damit jeder sehen konnte: Alle Segnungen kommen von Gott allein.
Dieser Segen ist keine magische Zauberformel wie "Abracadabra". Seine Kraft liegt nicht in der Person des Priesters, sondern allein in Gott. Doch Gott gebraucht Menschen, durch die er andere segnet. Interessanterweise beginnt der Ausdruck "Es segne dich der Herr" mit dem Verb – dem Tun Gottes – und der Name Gottes steht dahinter. Genau wie in 1. Mose 1,1: "Im Anfang schuf Gott..." Hinter allem steht Gott.
Das Wort für "segnen" im Hebräischen ist "Barach", und der letzte Buchstabe symbolisiert die Hand – die Hand Gottes, die alles zuteilt. Gott gibt nicht nur das Nötigste, sondern Gesundheit, Familie, Bildung, Beruf, Wohlstand, Freizeit und Frieden. Aber beachte: "Es segne dich der Herr und behüte dich." Segnen und Bewahren gehören zusammen. Die Geschenke Gottes brauchen seinen Schutz, denn sie können uns auch von ihm wegführen.
Der zweite Teil – "Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir" – verweist auf Jesus Christus, den Glanz der Herrlichkeit Gottes. Gott will nicht nur, dass du geführt wirst, sondern eine tiefe Gemeinschaft mit dir haben, damit du ein klares Bild von ihm bekommst.
Der dritte Teil ist der wertvollste: "Der Herr erhebe sein Angesicht zu dir hin." Dieses Bild kommt nur einmal in der ganzen Bibel vor – ein Vater, der sein Kind hochhebt auf Augenhöhe und ihm seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Das ist der Gott der Bibel. Er macht dich zu seinem Kind.
Und dann kommt diese wunderbare Zusage: "Und ich will sie segnen." Gott steht mit seiner ganzen Persönlichkeit für seine Verheißungen.
