Im Sudan wurde ich in eine extremistische islamische Familie hineingeboren – mein Großvater gründete die Muslimbruderschaft, meine Familie beherbergte Bin Laden. Mit acht Jahren brachte mich mein Vater in eine Koranschule, 1500 Kilometer von zu Hause entfernt. Er kam erst nach zwei Jahren zurück. Dort bekam ich eine neue Identität: Ich gehörte nicht mehr meiner Familie, sondern der islamischen Umma. Ich lernte zu hassen – Christen, Juden, alle Ungläubigen. Ich war erfüllt von diesem Hass.
In der Highschool hatte ich einen Mitschüler namens Zakaria. Er war der Beste in unserer Klasse, aber ich hasste ihn abgrundtief, nur weil er Christ war. Eines Nachts attackierten wir ihn, schlugen ihn fast zu Tode, brachen sein Bein und seinen Arm. Er kam nie wieder zur Schule zurück. Damals dachte ich, das sei richtig gewesen.
Doch dann geschah etwas Unerwartetes: Mein Onkel, Chef des Geheimdienstes und Christenverfolger, ging in eine Gemeinde, um den Pastor festzunehmen. Dort hörte er die Geschichte von Saulus aus Apostelgeschichte 9 – und erkannte sich selbst darin. Er nahm seine Pistole runter, kniete nieder und wurde Christ. Meine Familie verurteilte ihn zum Tod. Ich wollte ihn zurück zum Islam bringen und begann, Fragen über Jesus zu stellen.
Die Begegnung mit Jesus geschah im Krankenhaus. Der Sohn meines Onkels lag vier Wochen im Koma, die Ärzte gaben ihn auf. Zwei Christen kamen und beteten im Namen Jesu – und das Kind öffnete seine Augen, sprang aus dem Bett und lief. Dort tat sich der Himmel für mich auf. Einer dieser Christen blieb und erklärte mir: "Du musst nicht für Gott sterben – Christus ist für dich gestorben." Von 18 Uhr abends bis 4 Uhr morgens redeten wir, dann gab ich Jesus mein Leben.
Meine Familie verstieß mich. Sie hielten eine Trauerfeier ab, begruben einen leeren Sarg. Bevor ich 1995 den Sudan verließ, stand ich vor meinem eigenen Grab. In dieser dunklen Nacht spürte ich eine Hand und hörte eine Stimme: "Du bist traurig, weil du denkst, deine Familie hat dich begraben. Aber das Grab, vor dem du stehst, ist leer. Und weißt du was? Mein Grab ist auch leer."
2007 traf ich in Kairo einen sudanesischen Pastor. Als ich meine Geschichte erzählte, weinte er. "Weißt du, wer ich bin?", fragte er. "Ich heiße Zakaria." Es war der Klassenkamerad, den ich fast totgeschlagen hatte. Ich sah seine gebrochenen Glieder, die Verletzungen, die ich ihm zugefügt hatte. Ich schämte mich zutiefst. Doch er sagte: "Weil du mich so tief gehasst hast, habe ich immer für dich gebetet."
Hesekiel 1 beschreibt drei Dinge: Der Himmel tat sich auf, das Wort Gottes kam, und die Hand des Herrn berührte ihn. Genau das brauchen wir heute. Hass mit Hass zu begegnen ist menschlich – aber Hass mit Liebe zu begegnen, dafür brauchen wir Jesus Christus.
