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Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Samstag, 15. September 2012
45 Minuten

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

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Jesus erzählt von einem Vater mit zwei Söhnen – und beide Söhne zeigen uns auf unterschiedliche Weise, wie Menschen mit Gott umgehen. Der jüngere Sohn fordert sein Erbe, verlässt das Vaterhaus und verschleudert alles in einem zügellosen Leben. Nach dem Gesetz in 5. Mose 21 stand ihm ein Drittel zu – doch seine Forderung kam praktisch einer Aufkündigung des Sohnesverhältnisses gleich.

In einem fernen Land erlebt er zunächst Saus und Braus, doch dann folgt die Bruchlandung: Das Geld ist weg, eine Hungersnot bricht aus, und er landet als Schweinehirt – für einen Juden die tiefste Demütigung. Doch genau dort, bei den unreinen Tieren, kommt er zur Besinnung. Er erkennt: "Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir." Das ist echte Reue – nicht nur Bedauern über die Konsequenzen, sondern das Anerkennen der eigenen Schuld vor Gott.

Dieses Prinzip "Ich will alles und noch viel mehr" prägt auch unsere heutige Gesellschaft. Wie in Jesaja 22,13 beschrieben: "Lasst uns essen und trinken, wir sterben doch morgen." Menschen verschleudern ihr Leben in der Illusion, es dadurch zu gewinnen. Das Resultat: Orientierungslosigkeit, Beziehungsunfähigkeit, innere Leere – trotz äußerem Überfluss.

Doch dann geschieht das Unfassbare: Der Vater sieht seinen Sohn von Weitem, rennt ihm entgegen – das verwendete Wort beschreibt ein Laufen wie bei einem Wettkampf – fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Kein Vorwurf, keine Demütigung. Stattdessen bekommt der Sohn das beste Kleid, einen Ring und Sandalen – alle Zeichen der Würde der Sohnschaft. "Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden." Das ist Rechtfertigung: Gott macht aus einem zerstörten Leben etwas völlig Neues.

Doch da ist noch der ältere Sohn. Er kommt vom Feld zurück, hört die Feier und weigert sich hineinzugehen. Seine Worte offenbaren sein Herz: "So viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten." Er nennt seinen Bruder nicht "mein Bruder", sondern "dein Sohn" – voller Verachtung. Seine ganze Rechtschaffenheit war nur Fassade. Wie Jesus in Matthäus 23,27-28 über die Pharisäer sagt: Von außen hübsch, aber inwendig voller Unreinigkeit.

Dieser ältere Sohn repräsentiert das pharisäische Wesen – Menschen, die meinen, durch ihre Werke vor Gott gerecht zu sein. Doch wie Jesus in Markus 7 erklärt: Was aus dem Herzen kommt – böse Gedanken, Unzucht, Habgier, Missgunst, Überheblichkeit – das macht unrein. Auch wir als Christen stehen in dieser Gefahr: regelmäßiger Gottesdienstbesuch, treue stille Zeit, korrektes Äußeres – aber innerlich von falschen Einstellungen bestimmt.

Der Vater geht auch zu diesem Sohn hinaus und spricht ihn liebevoll an: "Mein Kind." Er versucht ihm zu erklären: "Alles, was mein ist, ist auch dein. Aber man musste fröhlich sein, denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden."

Jesus lässt die Geschichte offen. Die Entscheidung liegt bei dir: Siehst du dich im verlorenen Sohn, der sein Leben verspielt hat? Oder im älteren Sohn, der meint, alles richtig gemacht zu haben? In beiden Fällen gilt: Der Vater kommt dir entgegen. Wie Jakobus 4,8 verheißt: "Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch." Gott will aus dir einen neuen Menschen machen – nicht durch religiöse Regeln, sondern durch innere Verwandlung. Seine Botschaft lautet: "Lass dich mit Gott versöhnen" (2. Korinther 5,21).

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