In 1. Petrus 2,18-20 steht eine Forderung, die uns heute regelrecht schockiert: Haussklaven sollen sich ihren Herren unterordnen – nicht nur den guten und milden, sondern auch den verkehrten. Und dann kommt der Satz, der alles auf den Kopf stellt: "Das ist Gnade, wenn jemand wegen des Gewissens vor Gott Leiden erträgt, indem er zu Unrecht leidet."
Gnade? Wenn ich ungerecht behandelt werde und es trotzdem ertrage? Das passt nicht in unsere westliche Denkweise. Wir kennen keine Sklaven mehr, aber das Prinzip der Unterordnung betrifft jeden von uns. Du stehst unter der Autorität deines Chefs, deines Lehrers, deiner Eltern, des Staates. Und hier wird etwas Radikales gefordert: Dein Respekt gegenüber Autoritäten hängt nicht davon ab, wie sie sich dir gegenüber verhalten. Er gründet allein im Wort Gottes.
Wenn dein Chef dir das Gehalt kürzt und du ihn deshalb nicht beklaust – das ist Leiden für Christus. Wenn du aus Gewissensgründen vor Gott treu bleibst und dadurch Nachteile erfährst – das ist die Gnade, von der Petrus spricht. Nicht jedes Leiden ist Leiden für Christus. Wer seinen Chef beklaut und dann arbeitslos wird, leidet aus eigener Dummheit. Aber wer aufgrund seiner Treue zu Gott Nachteile in der Gesellschaft hat, der erfährt diese besondere Gnade.
Jesus sagt in Johannes 15,18-20 klar: "Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat." Wenn du als Christ kein Leiden erfährst, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder stimmt Jesu Verheißung nicht – oder du folgst Christus nicht so nach, wie er es eigentlich erwartet.
Warum ist dieses Leiden Gnade? Weil Gott dadurch deinen Charakter formt. Ohne dieses Leiden kann dein Charakter nie zu der Fülle aufblühen, die Gott für dich vorgesehen hat. Wer die Höhe eines Berges wahrnehmen will, muss zuvor durch ein tiefes Tal gehen. Christsein ist tatsächlich ein Leben im Höhenflug – aber dieser Höhenflug hat eine andere Dimension, als wir uns das oft vorstellen.
Die Forderungen des Wortes Gottes übersteigen den menschlichen Horizont. Sie sind in den Augen dieser Welt nicht normal. Aber genau darin liegt die Kraft der Nachfolge.
