Der Bräutigam kommt immer unerwartet – das ist die zentrale Botschaft aus Matthäus 25, wo Jesus von den zehn Jungfrauen erzählt. Fünf waren klug und hatten Öl für ihre Lampen dabei, fünf waren töricht und kamen zu spät zur Hochzeit. Diese Geschichte spielt vor dem Hintergrund jüdischer Hochzeitstraditionen: Der Bräutigam holte seine Braut ab, begleitet von Musik, Tanz und einem festlichen Zug durch die Straßen. Die Jungfrauen sollten mit ihren Lampen den Weg erleuchten und das Fest festlich gestalten. Doch der Bräutigam verspätete sich – nicht um Minuten, sondern um Stunden. Erst um Mitternacht kam er.
Jesus erzählt dieses Gleichnis im Zusammenhang mit seiner Rede über die Endzeit. Er steht mit seinen Jüngern vor dem prächtigen Tempel in Jerusalem und prophezeit dessen Zerstörung. Die Jünger wollen wissen, wann das geschehen wird, und Jesus antwortet mit mehreren Gleichnissen über sein Wiederkommen. Er vergleicht es mit den Tagen Noahs, als die Menschen aßen, tranken und heirateten, ohne auf die Warnung zu achten. Er spricht von Sodom und Gomorra, wo die Sünde überhandnahm. Diese Zeichen sehen wir heute überall um uns herum.
Die Lampen im Gleichnis symbolisieren das Wort Gottes – "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege" (Psalm 119,105). Das Öl steht für den Heiligen Geist, für die lebendige Beziehung zu Gott. Ohne Öl ist eine Lampe nutzlos, genauso wie ein Auto ohne Benzin. Du kannst dir den Glauben nicht von anderen ausleihen. Wenn du Hunger hast, hilft es nicht, dass dein Nachbar satt ist. Wenn du müde bist, wirst du nicht erfrischt, weil ein anderer schläft. Jeder muss seine eigene Beziehung zu Gott pflegen, sein eigenes Öl haben.
Die große Gefahr unserer Zeit ist das Einschlafen. Wenn wir nicht gefordert werden, wenn es uns zu gut geht, wenn die Zeit sich hinzieht – dann schlafen wir ein. Wir sind beschäftigt mit Arbeit, Familie, Alltag. Wir wissen theoretisch, dass Jesus wiederkommt, aber warten wir wirklich darauf? Schon der Apostel Johannes schrieb mit 90 Jahren: "Kindlein, es ist die letzte Stunde." Viele haben falsch prophezeit, wann Jesus kommt. Unsere Vorfahren wanderten sogar zum Berg Ararat aus, weil eine Prophetin sagte, dort würde Jesus wiederkommen. Viele starben unterwegs.
Doch die Zeichen der Zeit schreien förmlich, dass die Welt reif ist für das Gericht Gottes. Das Sündenmaß ist voll. Viele Christen beten: "Herr, komm bald!" Wir leben in der zweiten oder dritten Generation im Wohlstand. Das Leben ist geordnet, gemütlich. Genau das ist die Gefahr: Wir werden schläfrig, gleichgültig. Das Öl in unseren Lampen droht auszugehen.
In Offenbarung 19,6-9 heißt es: "Glückselig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind!" Du bist eingeladen zu dieser Hochzeit. Die Frage ist: Bist du bereit? Hast du dein hochzeitliches Kleid an – die Gerechtigkeit der Heiligen? Brennt deine Lampe noch? Ist genug Öl da? Jesus sagt: "Darum wachet!" Wir müssen einander ermutigen, aufrütteln, unter die Arme greifen. Die Starken sollen die Schwachen tragen. Wenn der Bräutigam kommt, sollen wir nicht wie eine Trauergesellschaft dastehen, sondern jauchzen und jubeln. Jesaja 35,10 verheißt: "Die Erlösten des Herrn werden nach Zion kommen mit Jauchzen. Ewige Freude wird über ihrem Haupte sein."
